Wo bin ich hier?

Auf dieser Seite erzähle ich die Gründe meines Ausstiegs aus dem christlichen Glauben.

Es ist eine sehr unschöne Situation, wenn das eigene Weltbild sich irgendwann in Luft auflöst. Dies geschah bei mir im Jahr 1998. Acht Jahre lang führte ich ein Leben als so genannter wiedergeborener Christ. So nennen sich die konservativen Christen - diejenigen, die die Bibel als Gottes unfehlbares Wort betrachten und ihr Leben danach ausrichten. Zwei Jahre lang war ich auf einer Bibelschule, weil ich sogar Pastor werden wollte. Doch dann geschah es:

Die blaue oder die rote Pille?

Je tiefer ich in die Bibel einstieg, desto mehr kam ich ins Grübeln. Sind wir ehrlich: die Bibel ist ein dickes Buch. Die meisten Christen kennen ein paar Stellen. Aber um Zusammenhänge zu verstehen ist weit mehr nötig. Geschichte, damalige Sprachkultur und Nebenbedeutungen von Worten oder auch Sprachgeschichte können manchmal einen bekannten Abschnitt in völlig neuem Licht erscheinen lassen. Nehmen Sie nur das Wort "toll". Es ist noch gar nicht lange her, da gab es ein Tollhaus und toll bedeutete psychisch krank. Wenn Sie in 2000 Jahren einen Text von heute verstehen wollen, kann es Ihnen schnell passieren, das komplette Gegenteil von dem herauszulesen, was eigentlich gesagt wurde.

Meine Bibelschulzeit war für mich ein Traum. Leider ein Traum mit bösem Erwachen, denn das was mich eigentlich näher zur Bibel und zu Gott führen sollte, lenkte mich später in Richtung Ausstieg. Viele ehemalige Christen verließen ihre Gemeinde und ihren Glauben wegen persönlicher Frustration oder Ärger mit anderen Gemeindemitgliedern. Nicht so bei mir. Je länger ich mir die Bibel ansah, desto mehr bekam ich Zweifel, ob dieses Buch wirklich den Anspruch erheben kann, unfehlbar zu sein. So stand ich irgendwann an einem Punkt, wie ihn der Film Matrix gut beschreibt: Schlucke ich die rote oder die blaue Pille.

Ich entschied mich für die rote und lebe heute ein Leben, das ich als Leben in Wahrheit bezeichnen würde. Ohne Gott, ohne Bibel, ohne Gemeinde. Manchmal würde ich mir wünschen, dass es diese andere Welt gäbe, diese christliche Welt mit dem Gott, den ich so viele Jahre geliebt und verehrt habe. Aber es gibt sie nicht und daraus habe ich für mich die Konsequenzen gezogen.

Warum Jesus-Offline?

Ein Wortspiel aus 1998. Damals gab es einen Trend, ein "-online" anzuhängen, wenn eine Wunschdomain belegt war.

Zehn Jahre lang wollte die Domain niemand haben. Jetzt habe ich sie ;-)

Warum gerade heute?

Meinen Glauben gab ich 1998 auf. Diese Seite ging 2008 online. Warum?

Ich fand beim Aufräumen auf meinem Rechner ein nahezu fertiges Projekt aus dem Jahr 1999. Damals habe ich es nicht veröffentlicht, weil die Enttäuschung über diesen Glauben noch zu groß war und die Texte noch etwas zu emotional und zu missionarisch. Ich fand es unpassend, es in der damaligen Form zu veröffentlichen. Außerdem fühle ich bis heute eine tiefe Verbundenheit zu einigen Lehrern und Freunden aus meiner ehemaligen Bibelschule. Ich wollte sie nicht verletzten.

Heute möchte ich, dass die Informationen, die zu meinem Ausstieg führten, anderen zur Verfügung stehen. Ich war nach zwei Jahren Bibelschule bestimmt kein Theologie-Professor, aber ich hatte doch weit mehr Möglichkeiten, mich mit der Materie zu beschäftigen, als Otto-Normalbürger das kann. Und wenn jemand mein Bibelwissen belächeln möchte, dann möge er sich hinsetzen und mir ernstzunehmende Erklärungen für die vielen Dinge geben, die hier zu finden sind. Dann sehen wir weiter.

Wer diese Seiten liest, mag den Eindruck bekommen, dass hier jemand in den Krümeln sucht, um den bibeltreuen christlichen Glauben zu diskreditieren. Dieser Eindruck ist falsch. Alle hier aufgeführten Stellen entstammen Tagebucheintragungen, die ich während meiner Zeit als Christ vornahm. Ich fand damals keine befriedigenden Lösungen dafür. Mein Gott schien sich auch nicht darum zu sorgen. Und meine Anfragen wurden immer zahlreicher.

Das Problem beim Ausstieg aus dem christlichen Glauben

Für mich war der Ausstieg aus meinem Glauben die härteste Entscheidung meines Lebens. Ich hatte sie mir nicht leicht gemacht. Damals steckte das Internet noch mehr oder weniger in den Kinderschuhen und man war noch auf Bücher angewiesen. Ich fand damals keine Literatur, die mir bei meiner Entscheidung wirklich helfen konnte.

Wenn Sie Probleme mit dem christlichen Glauben haben, was hilft Ihnen ein Buch von einem Christen, der Sie mit frommen Floskeln zuwirft. Ebensowenig hilfreich sind Bücher von Leuten, die niemals Christ waren und einfach "dagegen" sind. Sie wühlen vieles auf, das ihnen noch nie etwas bedeutet hat und haben meistens auch ein anderes Bibelverständnis. Die Bibel ist für sie meistens nur Objekt wissenschaftlicher Forschung und nicht Gottes Wort.

So sah ich mich damals auf mich allein gestellt. Ich musste für mich klären, was richtig und was falsch ist. Ich musste für mich die Bibel bewerten. Andere Ausstiegswillige suchen sich eine Affäre und machen sich eine schöne Zeit mit den Dingen, die sie schon immer tun wollten. Ich dagegen schloss mich wochenlang ein und schrieb auf 150 Seiten all das zusammen, das mir die vergangenen Jahre an der Bibel aufgestoßen war.

Hilfreich waren dabei 14 Tagebücher. Ich begann kurz vor der Bibelschule mit dem Schreiben, weil ich die Gedanken dieser wichtigen Zeit gern aufheben wollte. So konnte ich alles noch einmal revue passieren lassen und ich kann jedem, der beim Lesen dieser Seiten anderer Meinung ist versichern: dieser Mensch, der ich einmal war, war tiefgläubig und hatte eine innige Beziehung zu seinem Gott. Ich machte niemals halbe Sachen. Und gerade deshalb auch mein Ausstieg.

Wenn ich heute meine Gedanken von damals in eine umgängliche Form bringe und veröffentliche, dann wünsche ich mir, dass sie irgendjemandem helfen werden, der möglicherweise mal in eine ähnliche Situation kommt.

Die Texte und Gedanken, die Sie hier finden, mögen 13 Jahre alt sein. Sie mögen heute auch nicht mehr besonders fromm formuliert sein. Möglicherweise habe ich mich auch mal im Ton vergriffen. Aber sie enthalten genau das, was mich vom christlichen Glauben trennt.

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