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Sehr geehrter Herr P.,
zunächst einmal VIELEN DANK.
Ich kann Ihnen gar nicht beschreiben, wie lange ich eine Seite wie Ihre gesucht habe. Es ist mir spontan ein Bedürfnis, Ihnen meinen (ähnlichen) Weg zu beschreiben, vielleicht interessiert es Sie ja.
Ich war im Okkultismus verstrickt, Reiki, Hexen, Hypnose etc., machte schreckliche Erfahrungen und habe durch Gott/Jesus dort wieder herausgefunden. Sogar einen tief bewegenden Traum mit Jesus habe ich gehabt.
Nun, nach einer glaubensmäßigen Hoch-Zeit des Vertrauens und der Freude kam die Zeit des Zweifels, ähnlich wie Sie dies beschreiben. Je tiefer man im anfänglichen Überschwang in die Bibel eintaucht, umso mehr fängt man (normalerweise) an zu überlegen, zu hinterfragen und auch Ängste zu entwickeln. Gibt es wirklich die Hölle? Wenn ich nicht an Jesus glaube, komme ich dann für alle Ewigkeit an diesen schrecklichen Ort? Was íst mit meinem Mann, meinen Eltern, meinen Tieren? Werde ich sie dann nicht mehr wiedersehen? Das machte mich fast wahnsinnig.
Ich haderte mit dem Frauenbild der Bibel, fühlte mich verletzt und erniedrigt dadurch, dass ich unrein bin, wenn ich meine Periode habe und dass eine Frau von Grund auf schlecht ist; anschaulich dargestellt durch die Tatsache, dass ich nach der Geburt einer Tochter länger unrein sein soll als nach der Niederkunft eines Sohnes. Allein dieses Wörtchen "unrein" regte mich auf. Ich fragte mich, kann Gott so ein fehlerhaftes Wesen wie die Frau geschaffen haben, dass sie wirklich unrein ist, ihr Haupt bedecken und nicht berührt werden soll? (Apostel Paulus schreibt ja, dass es gut ist, keine Frau zu berühren).
Dann sah ich Joyce Meyer auf Bibel.tv und schöpfte neue Hoffnung. Eine FRAU, die öffentlich predigt und nicht schweigt, wie Paulus es gern gesehen hat. Die schmuckbehangen, unverhüllt und mit kurzem Haar (um Himmels willen) Gottes Wort verbreitete. Ich war beeindruckt und es begann meine Vorliebe für die Predigten. Emotional ging es mir gut, auch wenn ich die schönen Psamlen las, es war ein wunderbares Gefühl dabei. Aber der innere Kritiker und Zweifler wollte nicht verstummen, ich suchte nach Antworten und landete im Internet auf einer Seite, die von ehemaligen Okkultisten berichtet, die alle ähnliche Erfahrungen wie ich machten. Alpträume, Erstickungsgefühle, Depressionen. Nach einer Bekehrung zu Jesus fühlten sie sich ebenfalls besser. Ich war schwer beeindruckt und las die Bibel weiter.Übel stießen mir die vielen Tieropfer auf. Warum fordert Gott eine Schändung seiner eigenen Geschöpfe, nur weil die Menschen Fehler machen? Mehr noch, von Abraham (war es Abraham??) forderte er sogar seinen Sohn Isaak! Ich war entsetzt. Auch wenn es nicht zur Opferung kam, alleine die Vorstellung, was dieses Kind an Angst ausgestanden haben muss, als sein Vater es töten WOLLTE. Die bedingungslose Ergebenheit, das eigene Leben oder das des eigenen Kindes einfach herzugeben, als ob es nichts wert wäre, schockierte mich bis ins Mark. Warum fordert Gott so etwas, fragte ich mich immer wieder und fand einfach keine zufriedenstellende, logische Erklärung dafür. Ich zermarterte mir das Hirn und kam kein Stück weiter. Ich wusste nur: Die Psalmen taten gut, waren Balsam für die Seele. Aber zur Bibel gehört ja wesentlich mehr.
Die Zehn gebote fand und finde ich gut und sinnvoll. Allerdings entdeckte ich im Zusammenhang von "Nicht-töten" einige Unterschiede, bei dem mir wieder einmal die Galle hochkam. "Schlachte nach Herzenslust und iss" "Alles, was auf dem Fleischmarkt angeboten wird, esse, ohne dein Gewissen zu belasten". Täglich sollten Zehntausende Tieropfer gebracht werden! Allmächtiger! Haben wir kein Mitleid gegenüber leidenden, fühlenden Kreaturen? Dürfen wir es nicht haben? Dürfen wir Gottes Schöpfung praktisch entweihen, indem wir grausame Dinge mit diesen unschuldigen Wesen tun? Versuche, Folter, Gaumenfreuden? Evtl. bin ich als Vegetarierin hier voreingenommen.
Wie dem auch sei, ich suchte im Internet Kontakt mit überzeugten Christen, die mir die "schweren" Stellen plausibel erklären sollten. Ich fand einige, aber die wortreichen Ausführungen konnten mich nicht befriedigen. Allerdings muss ich sagen, dass sie ausnahmslos sehr nett waren und mir Hilfe anboten.
Ein Mann erklärte schlicht + ergreifend, er wüsste auch, dass seine Eltern in die Hölle käme, mit den Worten "Tja, sie werden in die Hölle kommen". Zack, das hatte gesessen. Ich musste es zweimal lesen, um es zu glauben.
Ein anderer Christ meldete sich nicht mehr, als ich ihn mit Gottes Vοrgaben zum männlichen Bartwuchs konfrontierte, was dies für einen Hintergrund haben soll und warum der Schöpfer sich darum schert, wie wir unsere Haare tragen sollen.
Ein Dritter schließlich, der eine umfangreiche Internetpräsenz besitzt, erklärte mir einfach, ich solle über den schwierigen Stellen BETEN. Es ginge nicht, dass ich als Christin Teile von Gottes Wort ablehne, nur weil sie mir nicht gefielen. Der Mann war sehr freundl. und nahm sich Zeit für ausführliche Antworten. Ich war verwirrt. Obwohl ich nur eine Frau war, besaß ich genug Verstand, um "Tötet, aber lasst die Jungfrauen für euch leben" auch ohne Gebet zu verstehen. Diese fundamentalistische Seite machte mir Angst. Sie war hervorragend gestaltet und vieles entsprach sicherlich auch der Wahrheit, wie es in der heutigne Welt zugeht. Aber eben nicht alles.
Angst hatte ich auch um alle Verwandten und Bekannten, die ohne Christus starben, sogar Michael Jackson (den ich ihn nie kennengelernt, aber sehr verehrt habe), der laut einiger christlicher Seiten in die Hölle gegangen sein soll, weil er die falsche Religion hatte. Ich fasste mir buchstäblich an den Kopf. Konnte dies wirklich sein? War es Michaels Schuld, dass er durch seine Eltern in die Zeugen Jehovas geriet? Wie so viele andere Kinder leider auch!!! Ein fundamentalistischer Christ sagte zu diesem unbequemen Thema, ein Gesetz sei eben Gesetz, nur weil man es nicht kennt, heißt das nicht, das man davon verschont bleibt.
Und was war mit den Babys, die starben, bevor sie sich zu Jesus bekehren konnten? "Gottes Gesetz verdammt uns alle als Sünder", lautete die Antwort des o. g. Mannes, und ähnlich einer Gehirnwäsche hatte ich diesen Satz nach monatelangem Lesen sogar angenommen, denn wenn man sich in der Welt umschaut, ist wirklich nicht viel Gutes mehr darin.
Mein persönliches Fazit lautet jetzt: Es gibt einen Schöpfer, denn von Nichts kommt Nichts. Die Präszision der Erde und sämtlicher Lebewesen sind beeindruckend und flößen einem tiefe Ehrfurcht ein. Aber dass dieser Schöpfer Mord und Vergewaltigung befiehlt, will ich aus meinem Kopf endgültig verbannen.
Danke, dass Sie sich die Zeit für´s Lesen genommen haben. Zum Glück haben Sie die ganze religiöse Erbauung (geistig) unbeschadet überstanden haben. Man kann nämlich mit den Himmel und Hölle-Geschichten durchaus wahnsinnig werden. Man denke nur an die Sektenaussteiger, die psychische Probleme haben. Allerdings muss ich sagen, auch ich war auf dem Weg, einfach zu GLAUBEN, egal wie logisch oder unlogisch es sich anhörte. Ich suchte händeringend nach einem Sinn in dieser immer verrückter werdenden Welt. Das können Sie mit Sicherheit nachvollziehen.
Gott sei Dank haben Sie Ihre Seite doch noch veröffentlicht.
Freundliche Grüße
N.
Nachtrag:
Ich möchte hinzufügen, dass ich diesen wunderbaren Traum mit Jesus hatte, nachdem es mir körperlich und geistig sehr schlecht ging, ganz am Anfang des christlichen Glaubens stand und Jesus darum ein paarmal inständig bat, zu mir zu kommen und mich zu umarmen. Ich suchte verzweifelt nach einer übernatürlichen Hilfe. Und nach einigen Tagen ist dies auch geschehen, und das hat mir eine wahnsinnige Kraft gegeben. Als ich Monate später in der Glaubenskrise saß und um ein deutliches Zeichen von ihm bat bzw. einen Hinweis, dass die Bibel wirklich Gottes Wort ist, geschah leider nichts. Ich haderte mal wieder mit dem Schicksal und fragte mich, wenn es Jesus gibt, er da oben sitzt und ich mit ihm sprechen möchte, warum antwortet er nicht bzw. gibt sich deutlicher zu erkennen?
Nach einer Diskussion mit einem buddhistisch angehauchten Bekannten, dem ich in ganz groben Zügen das Erlebte schilderte, meinte dieser, was ich im hintersten Teil meines Hirns irgendwo schon vermutete, aber nicht wahrhaben wollte: Dass dieser Traum eine eigene Projektion war von meinem Unterbewusstsein, um mir aus der Krise zu helfen. Ich dachte darüber lange nach und fragte mich: Bin ich schizophren?? Allerdings gibt es unzählige Menschen, die ähnliche Träume mit anderen Göttern oder Personen haben und sich hinterher unglaublich gestärkt fühlen. Es gibt definitiv etwas "da oben".
Jedenfalls, das ist meine persönliche Meinung, ist man besser dran, wenn man mit seinem Schöpfer lebt, ihn in den Alltag mit einbezieht. Nur weil man dem Christentum den Rücken kehrt, heißt das nicht, dass da GAR NICHTS ist. Man kann mit Ihm stille Zwiesprache halten und um Wegweiser bitten. Und das sogar ohne sich – als des Mannes Abglanz – vorher den Kopf zu verhüllen.
Diese Texte wurden von einer Leserin verfasst und stellen nicht in allen Punkten die Ansichten von Jesus-Offline dar. Aber man erhält einen guten Einblick in die Gedanken, Diskussionen und Schuldgefühle von Aussteigern. Die Autorin hat ausdrücklich darum gebeten, ihren Namen nicht zu veröffentlichen und möchte auch nicht kontaktiert werden.
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