Bye, bye, Mama
Und nun - in meiner Stimmung zwischen Trauer und ein wenig Erleichterung, dass ihr Leiden ein Ende hat - drängt mich etwas dazu, ein paar Gedanken niederzuschreiben.
Wenn man als Christ eine solche Situation erlebt, gibt es zwei sehr unterschiedliche Folgen.
Nach meiner ehemaligen Religion wäre meine Mutter nun im Himmel, WENN sie denn Christ gewesen wäre. War sie aber nicht.
Wäre ich nun also noch Christ, würde ich jetzt für meine Mutter beten. Allerdings gibt es keine theologische Grundlage dafür, dass der Gott des Christentums jemandem die Hölle nur deshalb erspart, weil ein Christ für ihn/sie betet. Zumindest kenne ich keine.
Während meiner christlichen Zeit habe ich meine Oma verloren, so wie meine Nichten gerade ihre Oma verloren haben. Was ich damals genau dachte, weiß ich nicht mehr.
Tatsache ist aber, dass für einen bibeltreuen Christen der Tod eines nahen nichtgläubigen Menschen eigentlich nur theologisch ignoriert werden kann.
Ich wollte damals bestimmt nicht glauben, dass meine Oma nun in der Hölle schmort, weil sie nicht gläubig war. Und bei allem Trost, den Christen verspüren, wenn ein anderer Christ "geht", bin ich mir doch klar, dass mir dieser Trost der Gewissheit eines Wiedersehens versagt geblieben wäre. Meine Mutter war kein Christ - jedenfalls nicht in evangelikalem Sinn.
Was glaube ich heute?
Ich weiß nicht, ob ich meine Mutter eines Tages wiedersehen werde. Ich tendiere momentan dazu, dass das Leben mit dem Tod endet. Alles andere sehe ich als positive Überraschung.
Wenn ich sie allerdings wiedersehen werde, wird das nicht in einer Hölle sein. Und das ist eine gute Nachricht.
In diesem Sinn: Machs gut, Mama. Wenn du von einer Wolke aus zu mir heruntersiehst, freue ich mich. Und wenn das Leben mit dem Tod endet, dann wirst du in meiner Erinnerung weiterleben.
Bye, bye, Mama.
