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Dieser Punkt ist nicht unwichtig, denn daran hängt im Prinzip die gesamte biblische Glaubwürdigkeit. Es kommt schließlich nicht darauf an, dass die biblischen Texte alt sind, es kommt darauf an, dass sie wahr sind.
Man kennt den Verfasser nicht, vermutet es sei Paulus, aber sicher ist das nicht. Bis ins 4. Jahrhundert war umstritten, ob der Hebräerbrief überhaupt zu den "heiligen" Briefen zählen sollte. Luther stellte ihn in seiner Übersetzung nach hinten, weil er Probleme mit diesem Brief hatte.
Seine in Hebräer 64-6 entfaltete Theologie war für mich schon immer problematisch und durchaus nicht nebensächlich. Kann man diesem Brief wirklich vertrauen?
Wer ist der Verfasser der 5 Bücher Mose? Mose natürlich. Sagt ja auch Jesus. Aber warum schreibt Mose über seinen eigenen Tod? War es Josua, der die allerletzen Worte an das 5. Buch Mose drangehängt hat?
Die Konservativen sagen ja. Ich frage:
Ich weiß nun, dass bezüglich der Autoren der Bibel nicht alles klar ist. Darum gehe ich mit einer gesunden Skepsis an die Bibel heran.
Die konservativen Theologen gehen davon aus, dass Jesaja ein einziger Mensch war. Damit haben sie so ziemlich alle gegen sich, denn die Mehrheit der Forscher geht von mehreren Jesajas aus. Deutero heißt zwei, Trito bedeutet drei. Bis zu drei Schreibern können es also gewesen sein. Zum Teil vermutet man in einelnen Kapiteln noch weitere Schreiber. Wie kommt man darauf:
Ich erinnere mich an einen Aufsatz, den wir mal in der Berufsschule im Unterricht schreiben mussten. Ich und meine Tischnachbarin hatten darauf keine Lust und so diktierte sie und ich schrieb. Mir fiel schon während dem Schreiben ihr sehr anderer Formulierungsstil auf. Am Ende der Stunde sagte unser Lehrer: Hausaufgabe, den Aufsatz zu Hause weiterschreiben. Das tat ich, aber nicht sie. Sie schrieb meinen Schluss am Ende von mir ab. Liest man diesen Aufsatz heute, stellt man fest, dass sich ab einem bestimmten Punkt der Stil verändert. Es folgt eben mein Stil. Ich verwendete weniger Fremdworte und verschachtelte die Sätze nicht so sehr. Etwas in dieser Art fällt Forschern im Buch Jesaja auf.
Jesaja lebte eigentlich im 8. Jahrhunder vor Christus.
Israel lag strategisch an einem äußerst ungünstigen Punkt. Wenn man sich die Landkarte ansieht, versteht man schnell, dass jeder, der in dieser Gegend irgendetwas erobern möchte, durch Israel ziehen musste. Und so kann Israel auf das zweifelhafte Vergnügen der Unterdrückung durch Ägypter, Assyrer, Babylonier, Perser, Griechen und Römer zurückblicken. Zur Zeit Jesajas waren gerade die Assyrer angesagt.
Ab Kapitel 40 beschreibt Jesaja jedoch Einzelheiten der Eroberung durch die Babylonier. Die kamen aber erst 150 Jahre später. In Jesaja 44,28 und 45,1 wird sogar deren König Kyros erwähnt. Außerdem beschreibt Jesaja ab Kapitel 40 Details zur babylonischen Landschaft und dessen Lebensverhältnissen. Darum nennen ihn viele Deuterojesaja = zweiter Jesaja.
Verschiedene Forscher sehen nochmal einen weiteren Jesaja - also den Tritojesaja ab Kapitel 56.
Auf meiner Bibelschule hat man jeden Hinweis auf mehr als einen Jesaja kategorisch abgelehnt. Ich kann zuwenig Hebräisch, um mich mit verschiedenen Schreibstilen auseinanderzusetzen. Aber was mir durchaus komisch vorkommt, ist die Erwähnung von König Kyros ab Kapitel 40. Nun wäre Gott natürlich in der Lage, in die Zukunft zu sehen und Jesaja mit entsprechenden Informationen zu versorgen.
Denken wir aber mal einen Moment darüber nach, wie undeutlich der Gott des Alten Testaments mit seinen sonstigen Prophezeihungen war, dann kommen mir erhebliche Zweifel, ob ich einfach sagen kann: Dort wird König Kyros erwähnt - Halleluja - der Herr hat Jesaja Wissen von der Zukunft gegeben. Vergleichen wir diese relativ unwichtige Prophezeihung doch einmal mit einer wirklich wichtigen: der von Jesus Christus. Ich lasse mich dazu ja im Abschnitt über Prophetie aus. Eine Jesaja-Prophetie, auf die sich Mattäus bezieht, besagt ja auch dass Jesus = Immanuel aus Jesaja 7,14 ist. Dass ich anderer Meinung bin, habe ich in meinem Jungfrau/Immanuel-Abschnitt dargelegt. Alle, die der Mattäus-Prophetie folgen wollen frage ich allerdings, warum Gott dort nicht den Namen Jesus verwendet hat. Er hat sowas nie getan und ausgerechnet diesen blöden König soll er nun mit Namen genannt haben? Das glaube ich nicht.
Bezüglich des Messias gibt es viele widersprüchliche Prophezeihungen aus denen sich viele Christen die passendsten herausgesucht haben und alle unerfüllten einfach in die Zukunft verlagern. Das ist natürlich ein sehr einfacher Weg. Als ehemaliger bibeltreuer Christ werde ich hier nicht das Fähnchen für einen Deuterojesaja hochhalten. Ich muss aber gestehen, dass ich heute erhebliche Zweifel daran habe, dass dieses Buch wirklich nur von einer Person geschrieben worden sein soll.
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