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Bibeltreue Christen nehmen die Bibel als Gottes Wort an die Menschen. Sie legen Wert darauf, dass dieses Wort Gottes wahr ist und richten ihr Leben danach. Kritiker sprechen von einem papiernen Papst.
Ohne diesen Aufkleber bibeltreu bliebe für mich nur ein relativ verwaschenes Bild eines lieben Gottes. Die schönen Bibelstellen nimmt man als Richtschnur und feiert mit ihnen an Weihnachten das Christkind und die nicht so schönen ignoriert man einfach. Wer das tun will darf das tun. Ich sehe den Sinn nicht und kann mir auch nicht vorstellen, dass es einen Gott gibt, der uns etwas schriftliches hinterlässt aus dem wir uns dann aussuchen dürfen, was wir davon Ernst nehmen und was nicht.
Man könnte sich auch rein auf Erfahrungen zurückziehen. Dies käme im Prinzip auf das gleiche heraus: Ich baue mir dann mit ein bißchen Weihnachtsgeschichte, Ostern und ein wenig Esoterik meinen eigenen Gott. Auch das darf jeder so handhaben, wie er möchte.
Für mich sind diese Wege nicht zielführend.
Wenn man in die Bibel schaut, sieht man schnell, dass Sie nicht den Anspruch hat, ein Märchenbuch zu sein. Im Gegenteil. Die Autoren der Bibel waren der Ansicht, dass das, was Sie berichten, wahr ist. Und es ist sehr wichtig zu wissen, dass sich 11 von 12 Jüngern Jesu für diese angebliche Wahrheit haben umbringen lassen. Auch Paulus beschreibt an einigen Stellen in der Bibel außerordentlich deutlich seine Entbehrungen. Er war im Prinzip ein angesehener Mann. Plötzlich wechselt er seine religiöse Einstellung und folgt einem Jesus nach, der angeblich zu ihm gesprochen haben soll, bereist die Welt, verzichtet auf viele Annehmlichkeiten und lässt sich schließlich für diesen Glauben umbringen.
Wenn man von solchen Menschen liest, muss man sich irgendwann die Frage stellen, wie man denn mit deren Lehren umgehen will. Ich habe ja oben schon beschrieben, welchen Weg Sie zumindest in den mir bekannten Landeskirchen vermittelt bekommen: Eine einzige Ansammlung von "Man müsste mal" und "Wir haben uns alle lieb". Nächstenliebe und persönliche Veränderng. sind sicher Grundlehren der Bibel. Aber es sind eben nicht die Hauptlehren.
Die Hauptlehre der Bibel, wird für Außenstehende ungewöhnlich + auch ein wenig sektiererisch klingen: Sie leben in Sünde. Sie müssen umkehren. Gott hat Sie lieb. Jesus íst für Ihre Sünden bereits bestaft worden. Folgen Sie ihm nach und Sie werden in den Himmel kommen. Das ist die Lehre der Bibel in groben Zügen.
Die Lehre der Bibel hat aber auch eine Kehrseite: Und die besagt, dass alle, die sich zu ihren Lebzeiten nicht für Jesus entscheiden, in die Hölle gehen. Auch die Toleranz anderer Religionen ist im Prinzip nicht vorgesehen.
Und so muss man sich irgendwann entscheiden, ob man die Bibel als Märchenbuch begreifen will, damit man schön Weihnachten feiern kann und ab und zu eine Predigt mit viel "man müsste mal" anhört. Oder ob man ernst macht und das tun will, für das diese Menschen aus dem damaligen Umfeld Jesu sich haben umbringen lassen: Jesus bedingungslos nachfolgen.
Die Frage stellt sich sicherlich. Ja, meiner Ansicht nach, ist der Begriff Fundamentalisten für bibeltreue Christen eine durchaus richtige Bezeichnung. Bibeltreue Christen versuchen, die Herrschaft über ihr Leben ihrem Gott zu geben. Sie stellen das Wort Gottes – die Bibel – über alles. Nun spricht die Bibel – zumindest das Neue Testament – nicht von Gewalt. Sο geht vom christlichen Fundamentalismus eigentlich keine Gefahr aus. Zumindest wenn man sich wirklich der Bibel verschrieben fühlt. Dies ist allerdings in allen mir bekannten Gruppen (Konfessionen) so. Was die Iren machen, hat mit dem Christentum, über das ich hier spreche, nichts zu tun.
Bibeltreue Christen sind nicht gewalttätig. Im Gegenteil, sie lassen sich eher Gewalt antun. Sie missionieren in Ländern, in denen sie wegen ihrer Religion unerwünscht sind, tun Gutes und versuchen Menschen für Jesus zu gewinnen. Wenn man von bibeltreuen Christen spricht, muss man immer auch die positiven Taten dieser Menschen sehen. Ich habe viele Berichte von Missionaren gehört, die in der Mission sind und unendlich viel Gutes tun.
Aber bei allem Guten, muss man sich bewusst sein, dass christliche Missionare in verschiedenen Ländern gerade auch Menschen in Gefahr bringen. Wenn in einem Land Christen verfolgt werden, dann sind dort gerade die Neu-Missionierten besonderen Gefahren ausgesetzt. Ich habe ja bereits etwas über Solalia 2007 geschrieben (vorletzter Absatz).
Wir haben auf der Bibelschule unsere ganz eigene Definition einer Sekte gehabt: alles was in unserem Sinne an die Bibel glaubte, war eine Kirche. Alle anderen christlichen Gruppen waren eine Sekte. Dazu zählten z. B. die Zeugen Jehovas, aber auch die Neuapostolen oder die Mormonen.
Um es auf den Punkt zu bringen. Das bibeltreue Christentum, so wie ich es erlebt habe, entspricht ziemlich genau dem, was der Volksmund als Sekte bezeichnet. Sie tun merkwürdige Dinge, die der normale Mensch nicht tun würde und richten ihr Leben an einer Religion aus, deren Werte von der des normalen Bürgers abweichen.
Ich zum Beispiel habe 10% meines Nettoeinkommens meiner Gemeinde überwiesen. Können Sie sich vorstellen, wie meine Eltern geschaut haben, als sie davon erfahren haben?
Bibeltreue Christen werden sich sehr dagegen wehren, als Sekte bezeichnet zu werden. Einfach weil dieses Wort so negativ belegt ist. Wenn man sich aber ansieht, was sie glauben und was sie tun (über einiges habe ich auf dieser Webseite ja geschrieben) dann kann man sagen: der Begriff Sekte – so wie ihn der Volksmund versteht – trifft es schon relativ genau.
Man kann dabei dem bibeltreuen Christentum zugute halten, dass es keine Menschen ausbeutet und vieles mit guten Vorsätzen tut. Es bleibt aber dabei: das bibeltreue Christentum gibt seinem Gott – dessen Wille es aus der Bibel ableitet – eine absolute Machtstellung. Bibeltreue Christen richten Ihr Leben nach der Bibel aus und dies hat keineswegs nur positive Auswirkungen und kann zu erheblichen lebensveränderten Entscheidungen führen, die man ohne diesen Glauben niemals treffen würde.
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