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Das Christ-Camp in Krefeld

Stellen Sie sich eine Evangelisation vor, bei der nach dem Aufruf zur Nachfolge Jesu 80-90 % aller Zuhörer aufstehen und nach vorn kommen. Wäre das nicht toll?

Ich habe es erlebt: 1994. Nein, nicht im Ausland. In Deutschland. Im Christ-Camp in Krefeld.

Wer da nach vorn kam, waren die so genannten Camper: Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 und 17 Jahren.

Meine Erfahrungen mit dem Christ-Camp

Im Sommer 1994 war ich im Rahmen meiner Bibelschulausbildung fünf Wochen im Christ-Camp Praktikant und so genannter CB (Camp-Betreuer). Jeder CB hatte ein Zimmer mit Kindern oder Jugendlichen und kümmerte sich um sie. Kümmern bedeutete, dass man gelegentlich eine Andacht mit ihnen hielt, dass man sie kannte, irgendwie versuchte, ihr Freund zu werden und für sie eben Ansprechpartner für alles war. Auch für persönliche Fragen und Glaubensfragen. Soweit ist alles super.

In meinen Augen íst es kein Problem, Kindern eine Andacht zur Vermittlung moralischer Werte zu halten. Wenn man den richtigen Ton findet, Zugang zu Ihnen hat, nehmen sie einen ernst und man hat die Möglichkeit, Ihnen etwas mitzugeben. Vor allen denen, die von zuhause leider nicht so viel mitbekommen haben.

Ich war fünf Wochen im Christ-Camp. Leider gab es einen Unfall und ich fiel eine Woche aus. Aber vier Wochen hatte ich Camper. Zuerst 15-16jährige. Dann 8-10jährige, dann 12-13jährige. Dann war ich krank & schließlich wieder 15-17jährige. Ich kam also mal mit allen Altersgruppen in Berührung.

Ein besonderes Erlebnis waren die Tage, in denen im Rahmen der täglichen Gemeinsschaftsandacht zur Entscheidung für Jesus aufgerufen wurde. Die Nummer von Jesus und Himmel und Hölle mit allem Drum und Dran wurde ausführlichst beschrieben. Als dann der Aufruf zur Lebensübergabe kam, sprangen fast alle Kinder und Jugendliche auf und gingen nach vorn. Ich war wie vor den Kopf gestoßen und auch anderen Betreuern, die das erste Mal dabeiwaren, ging es so.

Fragen, die ich mir stelle.

Was ist solche eine Entscheidung eines Achtjährigen eigentlich wert? Es gab auch einen extrem goldigen 10jährigen Jungen namens Jan, der mir heute noch in Erinnerung ist. Heute ist er wahrscheinlich 26. Was ist von so einer Entscheidung zu halten, die man einem 10jährigen quasi aufzwingt?

Aufzwingt? Wenn Sie eine Art Eltern-Rolle oder Vorbild-Rolle im Leben dieser Kinder einnehmen, glauben die Ihnen alles. Das betrifft auch noch die älteren 15-17jährigen. Sie müssen nur den Zugang zu Ihnen bekommen. Es muss "cool" sein, Sie als Vorbild zu haben. Die Kinder glauben und tun dann fast alles, was sie sagen. Sie entscheiden sich auch für Jesus.

Ich will die Arbeit des Christ-Camps gar nicht kleinreden. Es gab jede Woche beim Abschied viele Tränen. Fast alle Kinder liebten das Christ-Camp. Für mich war es eine tolle Erfahrung.

Ich frage mich allerdings ganz ehrlich: wissen die Eltern, was dort abgeht? Wissen sie, dass dort keineswegs sowas wie Kindergottesdienst stattfindet, sondern dass ihre Kinder mit einer relativ fundamentalistischen Theologie in Berührung gebracht werden. Zumindest war dies 1994 so.

Zitat aus dem Gedächtnis wiedergegeben: "Ich möchte, dass ihr mir zuhört, damit keiner später sagen kann, ihr hättet es nicht gewusst".

"... es nicht gewusst...". Es — damit war die Lehre von Jesus und Himmel und Hölle gemeint. Wer sich jetzt nicht für Jesus entscheidet, kommt nicht in den Himmel, sondern in die Hölle. Das war "es". Diese Lehre wurde extrem deutlich dargestellt. Und aufgrund dieser Lehre, bekehrten sich jede Menge Kinder und Jugendliche zu Jesus. Viele, die mehrere Wochen dort waren, taten es mehrfach. Selbstverständlich wurde diese Lehre nicht so ungefiltert dargestellt, wie ich es gerade in einem Satz beschrieben habe. Sie war verpackt in eine längere Andacht. Diese Andacht allerdings empfand ich als relativ manipulierend. Eben so, wie Evangelisationen mit dem Aufruf zur Lebensübergabe im Allgemeinen sind — nur richten die sich sonst eher an Erwachsene.

Ich bin sicher, dass Kinder im Christ-Camp sehr schöne Erfahrungen machen. Bezüglich der christlichen Ausrichtung des Christ-Camps hatte ich allerdings den Eindruck, dass sich viele Eltern nicht bewusst waren, wo genau sie Ihre Kinder eigentlich abgaben. Ich bin davon überzeugt, viele Eltern wissen nicht, mit welcher religiösen Meinung ihre Kinder dort konfrontiert werden.

Und ich bin sicher: viele Eltern – insbesondere die ohne bibeltreuen Hintergrund – hätten ihre Kinder wieder mitgenommen, wenn sie sich vorher diese speziellen Andachten mit Aufruf zur Lebensübergabe angesehen hätten.

WICHTIG: Dies sind Erfahrungen aus dem Jahr 1994. Ich habe keine aktuellen Informationenen über das Christ-Camp.

Kommentare zu »Das Christ-Camp«

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