Matthäus 4,12-15
Als Jesus hörte, dass Johannes gefangengenommen worden war, zog er nach Galiläa. Er verließ Nazaret und wohnte in Kafarnaum, das am See im Gebiet von Sebulon und Naftali liegt. Damit sollte sich das Wort des Propheten Jesaja erfüllen:An die Länder Sebulon, Naftali, den Weg am See jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa: Das Volk, das im Dunkel lebte, sah ein großes Licht. Und denen, die im Schatten des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
(nach Jesaja 8,23 - 9,1)
Um so einen Text zu verstehen, schauen wir erst mal nach der geschichtlichen Einordnung. Damit ich mir hier die Finger nicht völlig blutig schreibe, verweise ich dazu auf die Prophetie nebenan aus Jesaja 7 (Jungfrau/Immanuel).
Meine Jesaja-7-Seite endet mit nur noch böse Dinge verheißt Gott seinem Volk
. Jesaja 8 ist quasi die Fortsetzung.
Jesaja 7 spielte so um 732 v. Chr. herum. Und wir wissen, dass das Nordreich 10 Jahre später von den Assyrern verschleppt wurde. Kriegerische Auseinandersetzungen gab es aber jetzt schon. Und zwar nicht nur von außen, sondern auch innerhalb der israelischen Stämme. Wie wir aus Jesaja 7 wissen, hat sich dort das Nordreich mit Syrien verbündet und gegen das Südreich mobil gemacht.
Nun sind wir ein Kapitel weiter, die Situation ist aber noch ähnlich angespannt.
Eine dunkle Zukunft wurde bereits in Jesaja 7,18ff. verheißen. Jesaja 8 beginnt erst mal mit "Eilebeute/Raubebald" und verheißt in Vers 7 dem Nordreich einen assyrischen Angriff: Er kommt mit seiner ganzen Heeresmacht...
Dem Südreich verheißt Gott seinen Beistand. Dann macht Gott Jesaja nochmal ab Vers 11 klar, für wie wichtig er sich hält und wieviele "stolpern" werden, weil sie das nicht genauso sehen. Ab Vers 19 schnell noch über Wahrsager und Totenbeschwörer gewettert. Und mit Vers 20 das übliche haltet-meine-Gebote-denn-ich-bin-der-Größte-Gerede von unserem ewigen Gott.
Schwupps, da sind wir schon bei Vers 21 - wo Jesaja offenbar von denen prophezeit, die sich an das bisher Gesagte nicht so eng halten wollten: Er spricht von mutlosen, hungrigen und wütenden Menschen, die sowohl ihren König als auch ihren Gott verfluchen. Überall ist nur Dunkel, Verzweiflung und Finsternis und ganz nebenbei sind wir nun auch schon bei Vers 22.
Aber Moment mal. Wir sind ja schon da.
Jesaja 8,23 - 9,1
Doch das Dunkel bleibt nicht über denen, die in der Finsternis bedrängt werden.Früher hat Gott Schande über die Länder Sebulon und Naftali kommen lassen. Zukünftig wird er dem Land am Meer jenseits des Jordans und den Nationen Ehre bringen.
Das Volk, das im Dunkel lebt und denen, die in der Finsternis wohnen, geht ein Licht auf ...
Soweit klingt das ja irgendwie ganz schön. Vielleicht darf ich darauf hinweisen, dass es zu Zeiten des Neuen Testaments kein Naftali und auch kein Sebulon mehr gab. Wie war das nochmal mit dem Angriff der Assyrer 722 v. Chr? Das komplette Nordreich wurde nach Assyrien verschleppt und ging dort verloren. Es existierte schon seit 700 Jahren kein Naftali und kein Sebulon mehr! Dort oben westlich des Sees Genezaret gab es nur noch eine römische Provinz Galiläa.
Eindrucksvoll werden hier auch die גוים (Gojim = Nationen) erwähnt. Das sind wir. Ich hab mal irgendwo gelesen, dass das, was die Bibel rücksichtsvoll als "Nationen" übersetzt, in Wirklichkeit "Vorhäute" heißt. Ist also wohl ein ähnlich netter Ausdruck, wie Bleichgesicht.
Zeigt uns aber auch, wie wenig das damalige Volk Israel an uns Heiden interessiert war. Da war es schon eine Revolution, dass das Christentum plötzlich uns גוים (Gojim) mit den in Plan Gottes einschließen sollte.
Was steht hier?
Dann gehts weiter mit vielen Rüffeln und bösen Prophezeihungen an das Nordreich.
Die von Matthäus zitierte Prophetie ging an ein unterdrücktes Israel, dessen Feinde ständig vor der Tür standen. Israel war genauso geteilt, wie früher DDR und BRD nur mit dem Unterschied, dass die tatsächlich Kriege gegeneinander führten.
Wir haben bereits bei Jesaja 7 gesehen, dass es ganz konkrete Bedrohungen gab. In eine solche Situation - wenn nicht sogar genau in die gleiche - wurde Jesaja 8 und Jesaja 9 gesprochen. Jesus lebte 700 Jahre später.
Wo ist denn das zerbrochene Joch, von dem hier gesprochen wird? Der zerbrochene Stab ihres Treibers?
Zur Zeit von Jesaja 8+9 mag der Treiber Assyrien gewesen sein. 150 Jahre später wurden die Juden (es gab dann ja nur noch das Südreich) durch die Babylonier verschleppt. Dann war das der Treiber. Nochmal später kamen die Perser. War das dann der Treiber?
Wahrscheinlich haben die Griechen Israel auch nochmal erobert. War das dann der Treiber. Oder reden wir von den Römern, die zur Zeit Jesu der Treiber waren.
Die haben dann ganze Arbeit geleitet und später Israel im Bar-Kochba-Aufstand völlig zerschlagen. Dann gab es kein Israel mehr für lange Zeit.
Oder waren wir Deutschen der Treiber mit dem Holocaust im 2. Weltkrieg.
Und wo ist der verheißene Friede auf dem Thron Davids? Ich habe nichts gegen Israel, aber die sind da unten doch überhaupt gar nicht zu Frieden fähig. Das liegt sicher nicht nur an Israel, aber eben auch. Denn auch Israel bricht immer wieder Absprachen und Verträge.
Ich kann doch nicht einfach irgendeine Jesaja-Stelle nehmen. Dann warte ich 700 (!) Jahre und sage. Halleluja, Jesus war mal in Galiläa, dem ehemaligen Land von Naftali und Sebulon. Das muss er sein, der damals verheißen wurde.
Wir reden doch hier angeblich von einem ewigen und lebendigen Gott. Dieser komplette Abschnitt mit fragwürdigen Prophetien hat für mich Nostradamus-Niveau: wer es glauben will, findet immer irgendwas, das er glauben kann. Wahrheit, geht für mich aber anders.