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Warum weichen die beiden Geschlechtsregister voneinander ab?

Matthäus 1 Lukas 3
Jesus Jesus
Josef Josef
Jakob Elis
Mattan Mattat
Eleasar Levi
Eliud Melchi
Achim Jannai
Zadok Josef
Azor Mattitja
Eljakim Schimi
Abihud Josech
Joda
Johanan
Resa
Serubbabel Serubbabel
Schealtiel Schealtiel
Jojachin Neri
Joschija Melchi
Amon Addi
Manasse Kozam
Hiskia Elmadam
Ahas Er
Jotam Joschua
Usija Elieser
Joram Jorim
Joschafat Mattat
Asa Levi
Abija Simeon
Rehabeam Juda
Salomo Josef
Jonam
Eljakim
Melea
Menna
Mattata
Natan
David David
Isai Isai
Obed Obed
Boas Boas
Salmon Salmon
Nachschon Nachschon
Amminadab Amminadab
Ram Admin
Arni
Hezron Hezron
Perez Perez
Juda Juda
Jakob Jakob
Isaak Isaak
Abraham Abraham
(Matthäus endet mit Abraham) Terach
Nahor
Serug
Regu
Peleg
Eber
Schelach
Kenan
Arpachschad
Sem
Noach
Lamech
Metuschelach
Henoch
Jered
Mahalalel
Kenan
Enosch
Set
Adam

Drehen wir die Zeit zurück ins Jahr 1994/95. Ich war so etwa seit 5 Jahren Christ und seit etwa einem Jahr auf der Bibelschule. Von irgenwelchen Unstimmigkeiten der Jesus-Geschlechtsregister hatte ich mal gehört, aber für mich war immer klar: das eine beschreibt Marias, das anderes Josefs Linie.

An diesem Tag nun sah ich mir die Sache mal rein informativ an. Eigentlich nur, um mitreden zu können. Was ich fand, ließ mich nie mehr los. Wenn es ein Initial-Problem gab, das drei Jahre später dazu führen sollte, dass ich den bibeltreuen christlichen Glauben verwerfen musste, dann war es dies.

Matthäus 1:
... Jakob zeugte Josef, den Mann Marias, die später Jesus Christus gebahr...

Lukas 3:
...und Jesus ... war ein Sohn von Josef ...

Ich saß ja nun an der Quelle und befragte unseren Seminarleiter. Er kopierte mir sofort drei Artikel zu der Thematik & sagte "das ist kein Problem". Dabei war er völlig gelassen und ehrlich. Und ich bin überzeugt, für ihn ist es tatsächlich keins. Ich las diese Kopien rauf und runter. Und je länger ich das tat, desto klarer wurde mir, dass ich mich selbst belügen muss, wenn ich diese Erklärungen akzeptieren möchte.

Ich verdrängte dieses Problem lange Zeit. Aber ab diesem Tag war mein Misstrauen gegenüber dem biblischen Unfehlbarkeitsanspruch geweckt. Wenn es einen Startpunkt für jesus-offline.de gibt, dann liegt er hier. Im Lauf der Jahre folgten weitere Unerklärlichkeiten, über die ich beharrlich mit meinem Gott im Gespräch blieb. Leider antwortete er mir nie.

Zweierlei Maß bei der bibeltreuen Auslegung.

Nun schauen wir uns aber mal die beiden Geschlechtsregister in Lukas 3 und Matthäus 1 an. Beide beschreiben die Ahnenfolge von Jesus. Auf der einen Seite versuchen Leute aus Lukas 3 das Alter der Welt zu berechnen, die ja in 6 Tagen erschaffen worden sein soll. Auf der anderen Seite theologisieren die gleichen Leute die Unterschiede dieser beiden Geschlechtsregister weg. Mal hängt man sich so sehr an das Wort, dass es mir schon fast Angst macht. Dann wieder kommt man mit fadenscheinigen Erklärungen, warum das was dasteht so nicht gemeint ist.

Sowohl in Lukas 3, als auch in Matthäus 1 ìst eine Ahnenreihe von Jesus aufgeführt. Beide führen über David zu Josef und zu Jesus. Eine vorwärts, eine rückwärts. Das seltsame ist nur: sie sind nicht gleich.

Sucht man in Literatur nach Antworten so werden zwei Lösungen angeboten:

  1. Die Geschlechterfolge ist nur symbolisch gemeint
  2. Ein Geschlechtsregister beschreibt die Ahnenfolge nach Maria

Von beidem steht aber nichts im Text. Halte ich mich an das, was dasteht, so habe ich zwei verschiedene Geschlechterreihen, die beide über David führen und bei Josef bzw. Jesus enden. Diese Geschlechterreihen sind in der alttestemantlichen Kultur sehr wichtig gewesen (wie wichtig, sieht man schon an deren Häufigkeit).

Unmissverständlich ist bei beiden Geschlechtsregistern die Josef-Linie beschrieben. Gäbe es nur ein Register, würde niemand auf die Idee kommen, daran rumzudeuten. Warum überhaupt die Linie von Josef (der ja gar nicht der Vater war) interessant sein soll, ist sowieso eine andere Frage.

Ich habe diese Kopien heute nicht mehr vorliegen. Aber ich kann mich an eine Erklärung erinnern, die von einer sprachgeschichtlichen Konstruktion sprach, die es ermöglichen würde, dass jemand Josef schreibt, aber eigentlich Marias Linie meint. So einen absoluter Blödsinn. Es ist unfassbar, wie sehr manche Menschen bereit sind, sich selbst zu belügen, nur damit wahr sein kann, was wahr sein muss.

In meinen Augen geben diese Texte keinen Anlass anzunehmen, dass sie nur symbolisch gemeint wären. Und die Josef-Maria-Verwechslungstheorie — tut mir leid. Wenn ich dem folge, kann ich nichts mehr in der Bibel ernstnehmen.

Kann ich der Bibel wirklich Unfehlbarkeit bescheinigen, wenn sie sich doch scheinbar so grobe Schnitzer leistet?

Kommentare zu »Die beiden Geschlechtsregister«

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