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Ich habe ja schon an anderer Stelle geschrieben, dass während meiner Bibelschulzeit zwei Bomben geplatzt sind. Einmal beim Thema Prädestination und einmal - die viel interessantere - als sich unsere Abschlussklasse mit einem Text über die Frau in der Gemeinde beschäftigen musste. Und zwar mit folgenden Bibeltext:
1. Kor. 14,34:
Frauen sollen in der Gemeinde schweigen. Es ist ihnen nicht erlaubt zu sprechen. Sie sollen sich unterordnen ...bla... und ...bla ...gefälligst zuhause ihre Männer fragen usw. usw.
Ein wunderbarer Text, der natürlich reichlich Raum zu Diskussionen ließ. Das Thema "Frau in der Gemeinde" zog wie eine dunkle Wolke über unsere Schule. Und an jeder Ecke hörte man Gespräche zu diesem Thema. Für mich als "Neuling" außerordentlich interessant, aber teilweise auch nervig. Als ich mich beim Abendessen zu einem der Lehrer setzte und eine Frage hatte, meinte er: Aber bitte bitte nicht über die Stellung der Frau in der Gemeinde....
Dieses Thema warf wirklich jede Menge Fragen auf. Auch K. war davon betroffen. K. war - wie ich schon an anderer Stelle erwähnte - meine heimliche Flamme aus dem Abschlussjahr. Sie war außerordentlich rührig. Hatte schon ihre Gemeinde, in der sie später Pastorin werden wollte und nun ein Problem. Depressiv saß sie in einer Ecke und ich versuchte sie zu trösten.
Dieser Text ging eben nicht einfach so an ihr vorbei. Ihr Glaube war ihr Leben. Sie hatte sich nun schon 3½ Jahre durch diese Bibelschulzeit geballert und nun diskutierten alle um sie herum, ob sie überhaupt Pastorin werden dürfe. Klar, hatte sie sich mal mit dieser Frage beschäftigt. Aber niemals war sie so intensiv dazu gezwungen worden. Dabei ist 1. Kor 14,34 ja noch relativ entspannt, wenn man 1. Tim 2,11 sieht. Natürlich waren in ihrem Jahrgang hauptsächlich Jungs und natürlich tauschten die sich rege darüber aus.
Wie geht man nun mit diesen Stellen um?
Nun haben Bibelschüler ja ganz andere Möglichkeiten, als normale Sterbliche. Sie können die biblischen Grundsprachen. Im Studierzimmer ließen viele Schüler ihren Kram einfach liegen, wenn sie eine Pause brauchten. Dort fand ich ein Wortstudium zum Wort λαλεω (laleō = sprechen) aus dem Text von 1. Kor. 14,34. Trennen Sie sich schnell von dem Gedanken, dass es ein Wörterbuch gibt, aus dem man eben mal schnell die Bedeutung eines Wortes ablesen kann. Natürlich gibt es das. Aber bei einem so wichtigen Text, braucht man was richtig krasses, nämlich den "Kittel".
Dort nun werden auf zig Seiten Worte, ihre Bedeutungen und ihre Vorkommen von der grauesten Vorzeit bis zur Zeit Jesu aufgeführt. Nur damit Sie einen Eindruck bekommen: in einer meiner Predigten kam das Wort τυπος (typos = Vorbild) vor. 60 Seiten gabs dazu zu lesen. Für αγαπη (agapē = Liebe) gleich 140 Seiten - wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Alles eng bedruckt, mit vielen griechischen Zitaten, in welchem Zusammenhang das Wort denn gebraucht wurde. Jede Menge Spaß.
Was tut man also? Man liest zig Seiten mit Texten und macht sich dann ein Bild. Und die ersten Notizen davon lagen nun vor mir in Form eines beschriebenen Zettels eines Schülers aus Ks Jahrgang. Darauf stand.
sprechen = λαλεω (laleō)
Ursprünglich dem sinnlosen Gebrabbel eines Kindes nachempfunden: lalalalalal
Auch unser Wort lallen leitet sich davon ab.
Eigentliche Bedeutung ist Reden ohne Sinn. Im Gegensatz zu λεγω (legō) logisch reden - abgeleitet von ̔ο λογος (ho logos = das Wort)
Aber auch im Bezug auf Paulus verwendet, als er predigte. *Bibelstelle*
KANN IM PRINZIP ALLES BEDEUTEN!
****dicker lustloser Strich drunter****
Man konnte richtig spüren, dass dieser Schüler irgendwann ärgerlich alles hingeworfen hat. Wahrscheinlich hat er stundenlang gelesen, nur um festzustellen, dass ihn das kein bißchen weiterbrachte. Es war klar, worauf er rauswollte: Er wollte belegen, dass λαλεω (laleō) vor allem für sinnloses Reden (=Schwätzen) verwendet wurde.
Die Frauen sollen hinten nicht Schwätzen und Klatschen, sondern gefälligst zuhören. Eine ganz typische Erklärung für diesen Text. Aber auch wenn es nicht die Hauptbedeutung dieses Wortes ist, λαλεω (laleō) wurde auch schon verwendet, um eine Predigt zu beschreiben.
Unser Schüler war hier also auf sich gestellt. Und natürlich fällt einem nun auch die Timotheus-Stelle ein, in der Paulus das Lehren verbietet.
Je besser ich in der griechnischen Sprache wurde und je mehr ich von Zusammenhängen in der Bibel begriff, desto mehr beschäftigte ich mich nun auch mit dieser Thematik - einfach weil sie irgendwie interessant war und weil ich immer die weinende K im Sinn hatte, die natürlich nach ihrem Abschluss trotz diesem Text Pastorin wurde.
Es gab da eine Deborah im Alten Testament, die als Frau gleichzeitig Führerin war. Und Paulus erwähnte an anderer Stelle eine Chloe, die offenbar auch eine Leitungsfunktion in ihrer Gemeinde inne hatte.
Für mich hatte die Lehre von der Frau in der Gemeinde immer etwas faszinierend theoretisches. Irgendwie so, als ob man mit Kranken umgehen kann ohne sich anzustecken. Im Lauf meines Christenlebens traf ich einige Frauen, die Probleme mit diesem Vers hatten. Ich war in der Lage, eine lange Darstellung der Fakten zu geben. Ich gab den meist etwas entmutigeten Frauen wieder etwas Zuspruch und zeigte ihnen auf, welche Bibelstellen man noch im Zusammenhang mit diesen kritischen Bibelstellen sehen musste. Aber - sind wir mal ganz ehrlich. Sicher, ob dies wirklich die korrekte Auslegung war, war ich nicht.
Spätestens als ich dann diese Freie Evangelische Gemeinde in Wiesbaden besuchte, sah ich, wie sehr die Ansichten auseinander gingen. Deren damaliger Pastor war wohl predigenden Frauen gegenüber nicht abgeneigt und hätte sie auch Älteste werden lassen. Er hielt einen langen sehr interessanten Vortrag darüber, wie diese Bibelstellen zu sehen sein könnten. Dabei legte er Wert auf die frauenfreundliche Auslegung.
Nach ihm nun, sollte die Gemeinde abstimmen (oder waren es nur die Ältesten - keine Ahnung mehr). Einer der Ältesten ging ans Mikro und sagte sowas wie: Bei all dem, was wir nun gehört haben [vom Pastor der Gemeinde] sollten wir nicht aus den Augen verlieren, dass der Herr gesagt hat, die Frau soll nicht lehren.
Super. Der Pastor der Gemeinde hatte gerade über eine Stunde darüber referiert, warum die Frau lehren können soll. Und nun kommt ein Ältester und sagt das Gegenteil. Der Tonfall innerhalb dieser Veranstaltung wurde im Lauf dieses Abends auch nicht unbedingt versöhnlicher. Eher gereizter. Auch ich und eine Freundin konnten uns nicht zurückhalten und glaubten in jugendlicher Übermotivation nach vorn gehen zu müssen um dort unseren Senf dazuzugeben. Natürlich verbunden mit der Sorge, dass man sich wegen sowas nicht zerstreiten sollte.
Es half nichts. Die Sache wurde von den Ältesten irgendwann ablehnend beschieden. Eine Frau kann nicht Älteste werden in der Freien Evangelischen Gemeinde zu Wiesbaden.
Wie ist es nun mit Ihnen? War diese Entscheidung richtig?
Damals hätte ich für die Frauen Partei ergriffen. Heute muss ich das glücklicherweise nicht mehr. Nicht, weil ich keine Frauen mag :-) Eher weil mein damaliges Weltbild doch sehr vom - es kann nicht sein, was nicht sein darf - bestimmt war. Und eine deratig frauenfeindliche Regelung, wie sie in dieser Gemeinde getroffen wurde, ging mir damals wie heute gegen den Strich.
Wie ist es aber nun mit der Frau in der Gemeinde. Lassen Sie uns wieder mal zu Jakobus zurückkommen und seinem Wem unter euch an Weisheit mangelt - bla. Gebetet haben alle diese Menschen. Wenn es diesen Gott doch gibt. Warum müssen diese Ältesten per Mehrheitsbeschluss beschließen, wie eine Bibelstelle auszulegen ist?
Wenn Gott keine Frauen predigen lassen will, warum macht er es ihnen dann nicht klar? Diese Gemeinde war meinem Empfinden nach außerordentlich aufgewühlt und zerrissen von diesem Thema. Wenn Gott eine Meinung hat und eine ganze Gemeinde dafür betet. Ist es wirklich zuviel verlangt - auch unter Berücksichtigung dieser Bibelstelle bei Jakobus - dass er seiner fragenden Gemeinde auch eine Antwort gibt?
Klar - es ist nicht die Regel. Die Regel ist, dass viele Christen auch viele Meinungen haben. Einer unserer Lehrer sagte mal: Zwei Theologen, vier Meinungen.
Ich kann nur wiederholen, was ich in diesem Abschnitt über den Willen Gottes immer wieder schreibe: mir fehlt der Gott in diesem Spiel. Alle reden vom Willen Gottes, kommen mit irgendwelchen Erfahrungen. Und dieser Gott schafft es nicht mal, einer suchenden und fragenden Gemeinde eine simple dumme Frage zu beantworten, wie eine wirklich komische Sache in der Bibel zu sehen ist. Soll das wirklich wahr sein?
An diesem Gott ist etwas faul. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott Ihnen in ihrem persönlichen Leben irgendwelche Fragen beanworten soll, wenn er doch bei einer ganzen Gemeinde einfach schweigt. Ist es nicht viel naheliegender, dass er immer schweigt und dass das, was viele für den Willen Gottes halten, nichts ist, als einfach nur purer Zufall?
Wenn dieser Gott wirklich Jakobus 1 "eingehaucht" haben soll. Wenn diese Bibel wirklich irrtumslos sein soll. Dann komme ich hier nicht weiter. Ein Gott, der Hilfe verheißt und sie dann nicht leistet, ist entweder ein Lügner oder er existiert nicht.
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