Die Mauern von Jericho

Eine der bekanntesten Geschichten der Bibel. Auf der Bibelschule haben wir verschiedene Dinge dazu gelernt. Ich war dann aber relativ schockiert, als ich 1995 wirklich Isreal besuchte. Denn dort suchte ich dann verzweifelt nach irgendwelchen Beweisen für die Dinge, die wir durchnahmen.

Leider habe ich keine Bilder mehr. Es gibt Ausgrabungen. Im Kopf habe ich nur noch ein paar Löcher mit Steinen. Viel sieht man nicht mehr von den Mauern von Jericho.

Die nach außen gefallenen Mauern

Im Unterricht haben wir - eigentlich bei einem Lehrer, von dem ich immer viel gehalten habe - eine besondere Story zu dem Fall der Mauern von Jericho durchgenommen. Angeblich sind die Mauern nämlich nach außen gefallen. Normalerweise, wenn eine Stadtmauer eingenommen wird, greift man sie von außen an. Es liegt daher nahe, dass sie nach innen fällt. Die Mauern von Jericho sollen allerdings nach außen gefallen sein.

Das wäre ja nun wirklich etwas besonderes

Die Fakten über die gefallenen Mauern von Jericho

...Sind relativ frustrierend. Zumindest empfand ich das so. Lassen Sie uns vielleicht ein wenig über mein Gefühlsleben reden. Damals 1995 war ich ein sehr frommer Mensch. Besonders interessiert war ich an Beweisen für die Korrektheit des Evangeliums. Gar nicht mal unbedingt für mich. Schließlich hatte ich den Eindruck, etwas mit meinem Gott erlebt zu haben. Nein, mir ging es mehr um andere. Leider schien ich an dieser Front überhaupt kein Land zu gewinnen. Ich fand immer nur Zirkelschlüsse und Ausflüchte. Texte, die sich gegenseitig belegen sollten und weißichwas.

Nun war ich in Jericho. Und tatsächlich. Wir sahen sie, die gefallenen Mauern. Doch keinerlei Anzeichen dafür, dass diese Mauern nach außen gefallen sein sollen. Wo auch immer diese Information herkommen mag: ich bin dieses Gelände der Ausgrabungsstätte Jericho vollständig abgegangen. Da ist keine Mauer nach außen gefallen. Da liegen einfach ein paar Steine in Löchern. Das wars. Für einen jungen Menschen, der dort mit großen Erwartungen hingeht, eher eine Enttäuschung. Ich persönlich habe dort kein ausgegrabenes Mauerstück gefunden, das mir den Eindruck machte, als ob diese Mauer erkennbar nach außen oder nach innen gefallen war.

Es gab auch kein Hinweisschild, kein Prospekt oder sonstwas, das auf eine so besondere Eigenart aufmerksam gemacht hätte. Es muss sich also um eine echte Außenseitermeinung handeln. Denn die Israelis verwenden ja das Alte Testament als Geschichtsbuch. Das bedeutet, für die sind die alttestamentlichen Geschichten noch viel präsenter als für uns. Wenn es eine ernstzunehmende solche Theorie gegeben hätte, wären dort Schilder gewesen, die darauf aufmerksam gemacht hätten.

Die Fakten über die Datierung von Jericho

Aber damit nicht genug. Auch die Datierung von Jericho ist ein Problem. Denn es existieren keine Mauerstücke aus der Zeit, in der Josua diese Stadt angeblich eingenommen haben soll. Es sieht so aus, als ob Jericho evtl. mehrfach zerstört wurde. Nur leider nicht zur Zeit Josuas. Wenn ich mich recht erinnere, geht man davon aus, dass dort zur Zeit Josuas überhaupt keine Siedlung war. Nur deutlich vorher und dann wieder deutlich später.

Ich will daraus nun keine größere Sache machen, als es sinnvoll ist. Die Ausgrabungen sind alt und es kann viele Fehlinterpretationen geben. Aber ich muss zur Kenntnis nehmen, dass die Archäologen keinerlei Beweise für eine Stadt Jericho zur Zeit Josuas gefunden haben. Das ist zumindest mal eine Überlegung wert. Und die Ausführungen meines Lehrers in alttestamentlicher Bibelkunde hab ich danach auch mit einer gewissen Zurückhaltung beurteilt.


Seite Thema Autor Antworten Letzter Beitrag
Die Mauern von Jericho Der Fall von Jericho Gescha 4 2011-10-13 19:41
jo 



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