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Glaube und Gefühl.

"Wenn du so drauf bist, dann kenne ich dein Problem..."

Dies war ein Einwand einer ehemaligen Mitschülerin. Erst fragt sie mich, welche Probleme ich denn plötzlich mit dem christlichen Glauben habe. Dann kriegt sie eine Antwort. Dann "kennt sie mein Problem". Offenbar nehme ich plötzlich die Bibel zu ernst und vertraue zu wenig meinem Gefühl. Schließlich weiß ich ja, dass es Gott gibt.

Nun — wer sich mit anderen Religionen oder auch christlich beeinflussten religiösen Gemeinschaften (Zeugen Jehovas, Mormonen, Adventisten) beschäftigt, wird öfter mit Gefühl konfrontiert. Ich möchte sogar soweit gehen, dass man überall ähnliche Strukturen antrifft.

Überall gibt es das Gefühl, überall gibt es das Brennen für seinen Glauben, überall gibt es die Vorbehalte gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften, überall wird geglaubt, dass man ja weiß, dass sein Gott lebt, überall gibt es sowas wie fromme Elternhäuser mit ähnlichen Problemen. Eigentlich ist überall viel mehr gleich, als man denkt. Aber — dummerweise glaubt man überall etwas anderes.

Das bedeutet, wenn ich mich in irgendeiner Weise als Christ definieren möchte, bleibt mir nur die Berufung auf die Bibel. Mit dem Gefühl komme ich leider nicht weiter.

Wenn ich eins in den Gesprächen mit den Zeugen Jehovas gelernt habe, dann dass hier jede Menge Gefühl im Spiel ist. Das Gefühl, dass Jehova ihren Glauben für richtig hält und dass die so genannten Christen falsch liegen (die Zeugen bezeichnen sich übrigens selbst als Christen).

Anfang der 90er-Jahre beschäftigte ich mich mit dem Islam. Ich tat zunächst, was alle tun würden und kaufte Bücher von christlichen Autoren um mich zu informieren. Später kaufte ich auch mal ein Buch, das von einem Moslem geschrieben wurde. Ich war überrascht. Natürlich kannte ich nun einige Islam-Basics (5 Säulen usw). Doch dieser Herr schrieb in einer Begeisterung, die verwirrend war.

Dieser Herr liebte seinen Gott, das war klar zu spüren. Und er erklärte genau die Regeln wie die für uns ungewöhnlichen Gebetshaltungen abgewechselt werden + endete in etwa mit Folgendem: "Und an dieser Stelle darfst du gegenüber Allah alles vοrbringen, was du auf dem Herzen hast: ob es Dank ist, Wünsche oder Ängste." Mir wurde schnell klar: dieser Herr empfand genau das Gleiche in seinem Glauben, wie ich auch. Einige Dinge wurden anders bezeichnet, andere funktionierten anders. Aber fühlen taten wir beide das Gleiche.

Gefühle helfen uns leider nicht weiter. Dafür sind sie zu trügerisch.

Ich erinnere mich an ein Traktat, das ich mal Anfang der 90er verteilt habe. Darauf war eine Lok, ein Kohlenwagen und ein Waggon zu sehen. Unter der Lok stand "Wort", unter dem Kohlewagen "Glaube" und unter dem Waggon stand "Gefühl".

Mit dieser Illustration sollte deutl. gemacht werden, dass das Wort den Glauben und das Gefühl zieht und nicht umgekehrt. Das bedeutet: weder der Gedanke "Ich fühle mich schlecht — Gott mag mich also nicht" ist richtig, noch der Gedanke "ich fühle mich Gott nah, also bin ich gerettet". Die Bibel war immer Grundlage des bibeltreuen christlichen Glaubens.

Mich hat es schon gewundert, wie Leute am Anfang meines Glaubenslebens mit mir darüber diskutiert haben, ob ich gerettet war, bevor ich Jesus kannte und die gleichen Leute später damit kamen, dass ich doch weiß, dass Jesus lebt und ihm doch vertrauen kann. Na woher weiß ich es denn? Aus der Bibel, oder? Hier haben wir wohl mal wieder einen typischen Zirkelschluss.

Mein Fazit: Wenn ich das Gefühl Gott nah zu sein nicht als Bestätigung für Gottes Zuneigung verwenden darf, solange ich die Story von Jesus nicht verstanden habe. Dann darf ich mich auf das Gefühl auch nicht mehr verlassen, wenn ich die Bibel als fehlerhaft verwerfen muss.

 

Zur Ewigen Verdammnis Aber sie sind doch so nett