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Kommt Jesus aus Bethlehem?

Matthäus 2,4-6:

... "Wo soll der verheißene König geboren werden?" Sie antworteten "In der Stadt Bethlehem in Juda, denn der Prophet hat verheißen:"

"Du Bethlehem in Juda. Du bist nicht die unbedeutendste Stadt Judas, denn aus dir wird der Mann stammen, der mein Volk Israel schützen und führen soll."
(Micha 5,1)

Wer war Micha?

Werfen wir einen Blick auf Micha 1,1 und sehen, dass er sich an Samaria und Jerusalem wendet. Was will er uns damit sagen? Wir erinnern und wieder einmal an das geteilte Israel. Das Südreich hatte Jerusalem mit dem Tempel als Haupstadt. Das Nordreich wählte irgendwann seine eigene Hauptstadt und baute dort seinen eigenen Tempel in Samaria.

Samaria — welches Glöckchen klingelt hier? Richtig Samariter. Aber das war 700 Jahre später. Micha erwähnt die Könige Jotam, Ahas und Hiskija. Einen davon kennen wir schon, nämlich König Ahas von der Immanuel/Jungfrauengeburt-Prophetie nebenan. Wir befinden uns zeitlich also kurz vor der Verschleppung des Nordreichs. Etwas deutlicher habe ich diese Geschichte bereits bei der Kindermord-Prophetie dargestellt.

Wir wissen heute, dass das Nordreich kurz nach der Wirkungszeit von Micha verschleppt wurde. Vielleicht waren schon Teile des Nordreichs erobert + verschleppt worden. Sicher werden die Assyrer schon "an die Tür geklopft" haben. Sicher hatte das Volk (egal ob Nord- oder Südreich) Angst. Und so möchte Micha Trost und Hoffnung geben.

Lesen wir doch mal etwas mehr Kontext und schauen uns mal an, in welchem Zusammenhang diese Prophetie steht. Micha 4,14 — 5,2:

Traure und ritze dir die Haut blutig, du belagerte Stadt. Du bist von feindlichen Truppen eingeschlossen. Dem König Israels werden sie mit dem Stock ins Gesicht schlagen.

Doch zu dir Bethlehem im Gebiet der Sippe Efrat spicht JHWH: "Auch wenn du so klein bist unter den Städten in Juda. Aus dir wird der Mann kommen, der zukünftig Israel leiten wird. Der seinen Ursprung in ferner Urzeit hat."

JHWH übergibt sein Volk seinen Feinden, bis eine Frau den erwarteten Sohn gebären wird. Dann werden die überlebenden Verschleppten zum Rest Israels zurückkehren.

Ich bin versucht, diese Prophezeihung gar nicht so furchbar totzureden, wie die anderen. Aber was lesen wir hier? Wir lesen von einem belagerten Nordreich (wir erinnern uns: Israel bezeichnete das Nordreich / Juda das Südreich). Wir wissen, dass das Nordreich kurz darauf tatsächlich komplett verschleppt wurde. Es befand sich also in erheblicher Bedrängnis.

Auch die Geschichte mit der gebärenden Frau kling irgendwie so romantisch nach der Jungfrauengeburt von Maria. Nur dass Maria eben noch 700 Jahre von dieser Prophetie weg war. Redet diese Prophetie wirklich von einer Maria, die 700 Jahre später leben wird? Und was ìst mit den Verschleppten, die zu Israel zurückkehren. Diese Verschleppten gibt es gar nicht mehr. Die 10½ Stämme des Nordreichs gingen während der Verschleppung verloren — mehr als 700 Jahre vor Jesu Geburt.

Und was soll das heißen: "JHWH übergibt sein Volk seinen Feinden, bis eine Frau den erwarteten Sohn gebären wird."? Ich kann nicht erkennen, dass das Auftauchen Jesu irgendwas an der Belagerung durch die Römer geändert hat. Im Gegenteil. Israel hat danach nochmal richtig eine auf die Nase bekommen. Denn 135 n. Chr. wurde Israel beim Bar-Kochba-Aufstand von den Römern besiegt und zerstreut. Erst im 20. Jahrhundert erstand es neu.

Fazit.

Für mich ist dieser von Matthäus zitierte Vers vom Zusammenhang und seiner Geschichte befreit worden. In meinen Augen will Micha einfach Trost spenden, an ein Volk, das Angst hat und demnächst erobert werden wird. Man erwartete damals jemanden, der helfen kann, diesen Krieg zu gewinnen, keinen Jesus, der sich kreuzigen lässt.

Kommentare zu »Jesus kommt aus Bethlehem«

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