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Johannes als Rufender in der Wüste

Matthäus 3,3:

Von diesem Johannes hatte schon der Prophet Jesaja gesprochen:

"Es ruft jemand in der Wüste: Bereitet den Weg, auf dem der Herr kommen wird. Macht seine Pfade frei."
(Jesaja 40,3)

Wer war Jesaja?

Die Geschichte mit der Teilung des Reichs 931 v. Chr. hatten wir ja nun schon nebenan beim Kindermord, ebenso wie die Verschleppung des NORDreichs 721 v. Chr.

Jesajas prophezeite im SÜDreich ca. 740 — 700 v. Chr und wir kennen ihn schon von der Jungfrau/Immanuel-Geschichte aus Jesaja 7,14.

Das bedeutet, er prophezeite vor, während und über die Verschleppung des Nordreichs hinaus. Ich habe das Beispiel ja schon an anderer Stelle gebracht: Als ob die Bayern zusehen müssten, wie Rest-Deutschland von irgendeinem übermächtigen Feind erobert und komplett entführt wird.

Ganz sicher saß Juda die Angst im Nacken. Und nicht zu Unrecht, denn 150 Jahre später waren sie selbst dran. Und genau während dieser Zeit der Verschleppung ihrer Brüder aus dem NORDreich spricht Jesaja.

Nun sind seine Schriften durchaus umstritten. Viele glauben an mehere Autoren von Jesaja. Auch wenn ich diese Ansicht nie vertreten habe, habe ich dazu ein paar Worte im Abschnitt "Die Bibel wurde von zuverlässigen Personen geschrieben" aufgeführt. Dieser besonderen Meinung nach, befindet sich unser zitierter Abschnitt im Bereich des Deuterojesaja, was soviel bedeutet wie zweiter Jesaja. Wenn es einen Deuterojesaja gab, wird er wohl um 550 v. Chr. gepredigt haben — also nach der Verschleppung des SÜDreichs 586 v. Chr.

Was spricht für die Deutero-Theorie? Die Erwähnung von König Kyros — dem Perserkönig. Denn erinnern wir uns nochmal:

  1. 931 teilt sich Israel in Nord- und Südreich.
  2. 721 verschleppt Assyrien das Nordreich.
  3. 586 erobert Babylon Assyrien und verschleppt das Südreich.
  4. Dann kommt König Kyros von Persien und erobert Babylonien, was für Israel teilweise wieder die Rückkehr möglich macht.

Angesichts dieser Tatsachen ist es schon merkwürdig, dass Jesaja um 700 v. Chr. König Kyros aus Persien namentlich erwähnt haben soll, der erst 150-200 Jahre auf den Plan getreten ist. Wenn das so wäre, wäre das ein echtes Wunder und übrigens auch das einzige dieser Art in der Bibel. Denn unser Bibel-Gott hat sich sonst mit klaren Zukunfts-Prophetien ausgesprochen zurückgehalten.

Egal ob Jesaja oder Deuterojesaja — nett darüber gesprochen zu haben, aber für unsere Diskussion íst es unerheblich. Wir einigen uns darauf, dass die Prophezeihungen aus Jesaja 500 – 700 Jahre vor Jesus aufgeschrieben wurden – entweder nach der Verschleppung des Nordreichs oder nach der Verschleppung des Südreichs.

Ab Kapitel 40 spricht Jesaja dem Volk Gottes jedenfalls Mut und Trost zu und verheißt dem kriegsgebeutelten Volk positive Dinge — daher nennt man Jesaja ab Kapitel 40 "das Trostbuch".

Mein Fazit zum Rufer in der Wüste.

Es mag den einen oder anderen überraschen, dass ich gleich zum Fazit übergehe, wo ich mir doch sonst Mühe gegeben habe, meine ablehnende Ansicht zu begründen. Die Idee, Johannes den Täufer aus dem Neuen Testament mit diesem Rufenden in der Wüste aus Jesaja 40,3 gleichzusetzen, ist für mich allerdings derartig abwegig, dass ich mir große Argumentationslinien ersparen möchte.

Wie bitte kommt Matthäus darauf, diese eine Stelle aus dem Trostbuch von Jesaja zu nehmen & sie auf Johannes zu deuten? Wir haben uns schon so sehr daran gewöhnt, dass es selbst mir schwerfällt, es als Unsinn zu bezeichnen. Es ist jedoch nichts anderes als das.

Nehmen wir die Sache mit der Erwähnung von Perserkönig Kyros aus Jesaja 44,28, also vier Kapitel später. Mit diesem Trostbuch von Jesaja ab Kapitel 40 verheißt Gott seinem bedrängten Volk die Rückkehr — sei es nun aus Assyrien (Nordreich) oder aus Babylon (Südreich). Nichts weiter geschieht hier. Lesen Sie die Texte doch mal am Stück!

Ich habe für die Texte aus Jesaja 40 drei Theorien:

  1. Sie richten sich an das Südreich, das soeben miterlebt hat, wie das Nordreich verschleppt wurde und schockiert ist.
  2. Sie richten sich an das Südreich, das soeben selbst verschleppt wurde und sich fragt, wie es nun weitergehen soll und wann es wieder zurück in seine Heimat darf.
  3. Sie sind ein prophetisches Wort über die zuküftige Befreiung des Südreichs nach einer Verschleppung, die sie allerdings erst erfahren werden.

Von einem Rufer in der Wüste namens Johannes, der auf einen Jesus hinweist, der 500-700 Jahre nach diesem Prophet Jesaja leben wird, lese ich hier nichts. Tut mir sehr leid. Auch an Assyrer, Babylonier und Perser denkt zu Zeiten Jesu niemand mehr. Nach den Persern kamen die Griechen und zu Zeit Jesu war Palästina unter römischer Besatzung.

Und vielleicht darf ich mir abschließend noch die Frage erlauben: Wenn Jesaja angeblich so toll die Zukunft vorausgesagt hat, dass er sogar einen Perserkönig Kyros namentlich erwähnte, der nach bibeltreuer Auslegung erst 150-200 Jahre später lebte, warum hat er dann nicht auch Johannes namentlich und deutlich vorausgesagt. Gott kann es doch scheinbar. Warum immer dieses Versteckspiel zwischen zusammenhangslosen Bibelstellen.

Mir bleibt festzuhalten:

Wie auch immer ich es drehe: die Kapitel ab Jesaja 40 drehen sich um ein Volk in der Verschleppung, die durch einen König Kyros von Persien beendet werden wird. Wenn Matthäus Jesaja 40,3 auf Johannes den Täufer deuten will, ist das für mich nicht nachvollziehbar.

Hier ist was faul. Da kann mir jeder erzählen, was er möchte.

Kommentare zu »Johannes als Rufender in der Wüste«

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