Er hat einige dicke Schinken geschrieben. Früher hatte ich immer ein Exemplar von die Bibel im Test zum Verschenken auf Lager. Einige Argumente in diesem Buch fand ich sehr gut. Je länger ich es mir jedoch ansah, desto größer wurden dann meine Sorgen. Und wenn ich ehrlich bin, fangen sie heute bereits beim Inhaltsverzeichnis an:
Auf Seite 13 — 15 (meine Auflage ich alt: 5. Auflage 1995 — könnte sein, dass sich Punkte verschoben haben) finden wir die angeblich eingetroffenen Prophetien der Bibel. Unter 1.4 wird stolz behauptet: Über 300 alttestamentliche Messias-Prophetien in Jesus erfüllt. Klingt fast wie die Bild-Zeitung. Unten finden Sie, was dahintersteht.
Ich gehe nur auf einzelne Punkte in einzelnen Kapiteln ein. Das liegt zum einen daran, dass ich meinen Lebenszweck nicht darin sehe, ein 500-seitiges Buch zu widerlegen. Daher schreibe ich nur über Dinge, die in meinen Augen nicht so stehengelassen werden können. Aber es gibt auch Argumentationen von Josh McDowell, bei denen ich keine gegenteilige Ansicht vertrete. So leugne ich z. B. nicht, dass es einen Jesus einmal gegeben haben könnte. Mich interessieren auch keine archäologischen Ausgrabungen, die letztenendes nichts anderes belegen, als dass ein Ort existiert hat, der in der Bibel erwähnt ist. Auch innerbiblische Argumentationen im Sinne von "wie spricht Jesus von sich selbst" oder seine Mutmaßungen "wenn Jesus Gott wäre, hätte er das und das tun müssen" sind für mich uninteressant.
Interessant sind für mich ernstzunehmende Argumente, die einen übernatürlichen Jesus belegen, die erfüllte Prophetien belegen und die einfach in für mich ernstzunehmender Weise bezeugen, dass es diese Jesus-Geschehnisse wirklich gab. Leider suchte ich danach vergeblich in diesem dicken Buch.
Kapitel 1: Die Einzigartigkeit der Bibel
Überspringen wir die ersten Punkte und schwenken gleich zum wichtigsten Punkt am Ende dieses Kapitels, nämlich zur...
3. Schlussfolgerung
Das oben gesagte beweist nicht, dass die Bibel wahr ist.
Kapitel 2: Wie wurde die Bibel hergestellt
Hier gehts nur um Schreibmaterialien, Schreibinstrumente und Schriftarten. Können wir weglassen.
Kapitel 3: Der Kanon
Ich greife hier nur einige Punkte auf:
Lernen wir zunächst eine Vokabel: Als Kanon bezeichnet man die Zusammenstellung der biblischen Schriften. Die Bibel besteht ja aus einer Sammlung von Einzel-Dokumenten. Wenn hier also die Rede davon ist, dass ein Buch/Brief in den Kanon aufgenommen wird, bedeutet das nichts anderes, als dass es in die Bibel aufgenommen wurde.
1.2 Prüfung der Gültigkeit eines Buches für den Kanon
McDowel zitiert die fünf Richtlinien von Geisler, Nix (S. 141). Davon, dass er andere für sich denken lässt, werden die Argumente allerdings auch nicht besser.
Ist es autoritativ? Von der Hand Gottes? "So spricht der Herr" soll darin vorkommen. So schnell kriegt bei den beiden (dreien) ein Buch göttliche Autorität. Na, das war ja einfach.
Ist es prophetisch? Von einem Mann Gottes geschrieben? Ein Mann Gottes. Wie war das mit dem unbekannten Verfasser des Hebräer-Briefs? Wie kann ich denn jemanden als Mann Gottes bezeichnen, wenn ich nicht mal weiß, wer es ist?
Ist es authentisch? (Die Väter hatten die Einstellung "Im Zweifelsfalle nicht"...) Ein Brief, bei dem der Verfasser nicht bekannt ist, ist bei den dreien authentisch. Lachhaft.
Ist es dynamisch? = Lebenserneuernde Kraft Gibt es einen nichtssagenderen Brief, als den Philimonbrief? Was ist denn seine lebenserneuernde Kraft?
Wurde es angenommen, gesammelt und gebraucht? Von mir aus...
3.2 Warum nicht kanonisch?
Dieser Punkt ist interessant, denn hier wird aufgeführt, warum einige Apokryphen nicht in den alttestementlichen Kanon übernommen wurden.
Historische und georgrafische Ungenauigkeiten oder Anachronismen. Man möge mich korrigieren, aber meint er sowas wie die beiden Geschlechtsregister? Oder die Sache mit dem Familiengrab?
Irrlehren und begünstigte Praktiken im Gegensatz zur inspirierten Schrift. Ist das sowas wie bei David?
Einmal bringt Gott 70.000 Menschen um, wegen einer Sache, die er wahrscheinlich sogar selbst angestiftet hat. Dann bricht Gott sein eigenes Gesetz, begnadigt David und murkst sein uneheliches Kind ab. Für mich sind das ausreichend Irrlehren und Praktiken zu im Gegensatz zum damaligen Gesetz Gottes stehen.
Sie haben etwas Gekünsteltes, das nicht zur Schrift passt. Vielleicht sowas wie die Offenbarung? Oder das Hohelied? Was bitte passt den literarisch zur Schrift? Wann bitte ist denn etwas "gekünstelt"?
Mangel an Merkmalen des göttlichen Charakters. Aha.
Man muss wissen, dass sich Abschnitt 3 mit den Apokryphen befasst. Es geht also um den AT-Kanon und nicht um das Neue Testament. Wenn ich trotzdem mal diesen Punkt 3.2 nehme und auf das Neue Testament anwende, dann fliegt bei mir mal ganz locker leicht Lukas, Matthäus und die Apostelgeschichte aus dem NT heraus. Danach werfe ich Samuel aus dem AT, die Offenbarung kommt weg und das Hohelied. Super. Das ist lustig.
Für mich sind diese Punkte reine Augenwischerei und genauso auslegbar, wie die Sprüche von Parteien vor der Wahl. Hier werden doch nur Phrasen gedroschen, ohne jeden Inhalt.
Kapitel 4: Der neutestamentliche Kanon
1.4.1 Zweifel zugunsten der Schrift auslegen
Hier lässt McDowel wieder denken und zitiert einen John Warwick Montgomery (b/29), der sich auf den Ausspruch des Aristoteles beruft: Vorhandene Zweifel sind zugunsten der Dokumente auszulegen... Das macht wirklich Eindruck!
Aber Montgomery schreibt noch weiter, man dürfe keine Fälschungen oder Irrtümer voraussetzen, solange der Verfasser sich nicht durch Widersprüche ... disqualifiziert hat.
Ich bin versucht, nun zu den Widersprüchen der Bibel zu verlinken. Doch McDowel zitiert noch schnell einen R. M. Horn (S. 86), der betont, dass eine schwierige Bibelstelle noch lange keine widersprüchliche ist. Dann folgen wortreiche Argumente, die mich irgendwie an den Aufsatz von Dr. Kaiser erinnern.
Zum Schluss frohlockt Horn, dass seit Anfang des Jahrhunderts unzählige Schwierigkeiten gelöst werden konnten. Ich dagegen bin nun ganz sicher, dass ich genau hier zu den Unstimmigkeiten der Bibel verlinken möchte.
1.4.2 Zeugnisse aus erster Hand
Nun wird es richtig lustig. Gleich das erste Zitat ist Lukas 1, wo Lukas ja selbst schreibt, dass er eben kein Augenzeuge war, sondern recherchiert hat. Aber sicher waren seine Quellen erste Hand. Ganz sicher.
Petrus und Johannes — könnte ich gelten lassen. Aber Moment. Darf ich als Nicht-Mehr-Christ mal etwas aussprechen, das viele Christen denken, aber sich nicht zu sagen trauen? Hat Johannes nicht auch die Offenbarung geschrieben? Haben Sie das Ding mal ganz gelesen? Und? Hand aufs Herz — was war Ihr Eindruck? Stand er unter Drogen oder war er geistesgestört? Lesen Sie es direkt jetzt und dann sagen Sie mir, dass Sie das Zeugnis dieses Mannes ernst nehmen möchten.
Wenn Johannes "inspiriert" war, oder "trunken im Geist", wie es meine Charismaten möglicherweise ausgedrückt hätten. Warum machte er dann den Fehler mit den 12 Stämmen Israels in seiner Offenbarung? Er schreibt dort auch von der komischen Zahl 666 und an meiner Bibelschule war sogar ein Lehrer, der seine Heuschrecken klar als Hubschrauber erkannt haben wollte. Johannes hat das Ding in der Verbannung geschrieben. Wahrscheinlich hat er dort den Verstand verloren.
Wir sind Zeuge von diesen Dingen... Immer wieder wird dieser unsinnige Satz zitiert. Dieses Argument kann einfach nicht ziehen. Dafür stehen zuviele Dinge in diesem "Wort Gottes", die nicht zusammenpassen und die auch so niemand bezeugt haben kann (siehe letzter Absatz).
Dann kommt er zur Datierung:
Paulusbriefe ab 51 n. Chr.
Markus ab 64 n. Chr.
Matthäus, Lukas ab 80 n. Chr.
Apostelgeschichte nach ab 85 n. Chr.
Johannes vor 100 n. Chr.
Jetzt mal ganz ehrlich. Wann ist Jesus nochmal gestorben? 30 n. Chr? Wieviel Jahre liegen da dazwischen? Und das in einer Gesellschaft, die in einem prämittelalterlichen Dämonenglauben lebt und in der offenbar jeder Wunder tun kann? Wir reden doch hier nicht von irgendwelchen heutigen Historikern. Lesen Sie doch mal deren Berichte. Wo sind sie denn, deren Dämonen?
20 Jahre nach Jesu Tod hat Paulus den ersten seiner Briefe geschrieben. Markus fast 35 Jahre später. Lukas und Matthäus schrieben ihre Evangelien 50 Jahre nach dem Tod Jesu. Die Apostelgeschichte kam noch später und Johannes erst recht.
Jetzt denken Sie mal an Ihre letzte Geimeindebibelstunde und überlegen sich, wie wörtlich Sie dort die Worte Jesu auslegen. 50 Jahre nach seinem Tod hat man die aufgeschrieben (!). Und das in einer Kultur, in der nur wenige Lesen und Schreiben konnten. Und Sie tun in Ihrer Gemeinde so, als ob damals ein Tonband mitgelaufen wäre. Und Josh McDowel redet hier von "Augenzeugen". Da läuft mir wirklich ein Gruseln den Rücken herunter.
Kapitel 9: Die messianischen Prophetien des Alten Testaments - erfüllt in Jesus Christus
Über dieses Kapitel habe ich mich zuerst außerordentlich gewundert und heute ärgere ich mich außerordentlich darüber. Ich fand McDowells Buch früher wirklich gut & habe es verschenkt. Schauen Sie sich mal wohlwollend für McDowell das an, was ich nun aufführe. Ich frage Sie wirklich allen Ernstes: darf man so mit der Bibel umgehen? Kann man wirklich wild irgendwelche Bibelstellen zusammenstellen und sie dann als efüllte Prophezeihungen ansehen? Wenn Sie die "Bibel im Test" vorliegen haben, urteilen Sie selbst und lesen Sie nebenher nach, ob Sie wirklich McDowell zustimmen können.
1 Einleitung
1.4 Über 300 alttestamentliche Messias-Prophetien in Jesus erfüllt
Da kann ich nur sagen: Aha. Konkret wird er hier noch nicht, denn er frühstückt diesen Punkt auf noch nicht mal einer Buchseite ab. Dann entspanne ich mich hier noch und schau mal, was er später als Prophetien bezeichnen wird.
2 Analyse: Prophetien und Erfüllungen
2.1 Jesu Geburt
2.1.1 Geboren aus dem Samen der Frau
Viel Spaß beim Nachschlagen. Als Prophetie präsentiert er uns die Nummer mit dem Ferse stechen aus 1. Mose 3,15. Die Erfüllung sieht er in Galater 4,4: ...geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan.. Wenn Sie da keine weiteren Fragen haben, hab ich auch keine.
Irgendwo in einem Psalm gräbt er Du bist mein Sohn aus. Das ist natürlich eine ausgesprochen glaubwürdige Prophetie.
2.1.4 Nachkomme Abrahams
2.1.5 Nachkomme Isaaks
2.1.6 Nachkomme Jakobs
2.1.7 Aus dem Stamm Juda
2.1.8 Aus dem Geschlecht Isais
2.1.9 Aus dem Hause Davids
Na super. Diese ganzen Punkte begründet er alle mit Lukas 3 und so können wir sie auch alle zusammen mit Matthäus 1 in der Pfeife rauchen. Wie war das nochmal mit den unterschiedlichen Geschlechtsregistern? Wenn mir die Bibel zwei unterschiedliche Stammbäume Jesus liefert, wie bitte kommt er auf das schmale Brett, sich nun ausgerechnet auf Lukas 3 verlassen zu wollen? Damit haben wir gleich mal 6 Prophetien auf einen Streich ins Reich der Träume befördert.
2.1.10 Geboren in Bethlehem
Micha 5,1 — wirklich toll. Dazu hab ich mich ja schon ausgetobt. Meine Hauptfrage: Was ist mit Micha 5,2? Sind die Verschleppten zum Rest Israels zurückgekehrt? Nein, nein, nicht das heutige Israel. Das ist nur noch Südreich. Micha 5,2 redet von Verschleppten des Nordreichs. Die sind nie mehr zurückgekehrt. Und das werden sie auch nie mehr tun, weil es sie nicht mehr gibt.
2.1.11 Von Weisen beschenkt
Er nimmt irgendeine Psalmstelle, wo etwas von Geschenken steht. Das wurde dann in den drei Weisen erfüllt. Das ist wirklich ausgesprochen ernstzunehmend. Man möge mir diesen Sarkasmus verzeihen. Aber das was er hier bringt, ist in meinen Augen nichts als Augenwischerei. Soll ich Ihnen irgendwas heraussuchen, was sich in Ihrem Leben heute erfüllt hat? In den Psalmen finde ich bestimmt irgendwo etwas. So geht es einfach nicht.
2.1.12 Kindermord des Herodes
Eine Rahel weint um ihr verschlepptes Nordreich und ein Matthäus sieht darin eine erfüllte Prophetie im Südreich. Genauer ausgeführt, in meinem Abschnitt zur Kindermord-Prophetie. Das eine hat mit dem anderen absolut nichts zu tun.
2.2 Jesu Wesen
2.2.1 Seine Präexistenz
Die Bethlehem-Nummer. Davon, dass die Bibel schreibt, er wäre vom Anfang und von Ewigkeit her gewesen, ist das noch lange nicht bewiesen. Die ganze Bethlehem-Prophetie ist für mich nicht schlüssig. Warum sollte ich ausgerechnet der Ewigkeit-Aussage glauben?
2.2.2 "Herr"
Wieder mal ne Psalmstelle. Wie schon gesagt: ich kann mit Psalmen alles belegen, wenn ich mir irgendeine Stelle aussuchen darf.
2.2.3 "Immanuel"
Hatten wir die Immanuel-Nummer nicht schon bei 2.1.2? Davon, dass man Jesaja 7,14 hier nochmal wiederholt, wird die Prophetie auch nicht glaubwürdiger.
2.2.4 "Prophet"
Einen Propheten wie Mose wird der Herr aus ihrer Mitte erwecken (5. Mose 18,18). Muss das zwingend Jesus Christus sein? Hat nicht Mose vielleicht eher über einen Nachfolger nachgedacht? Wir sind schon im 5. Mose. Für alle, die sich nicht erinnern: 5. Mose ist so ein bißchen wie Winnetou III. Unser Held überlebt es nicht.
2.2.5 "Priester"
Ich will mich hier um Argumente nicht drücken. Aber hier kommt wieder eine Psalm-Stelle. Das sind einfach nur Liedtexte. Es kommt doch niemand auf die Idee, aus einem Gesangbuch irgendeine Stelle herauszunehmen und sie dann zur erfüllten Prophetie zu erklären...
2.2.6 "Richter"
Das muss ich zitieren: Jesaja 33,22: "Der Herr ist Richter, Meister, König — der hilft uns". Ist das wirklich als Belegstelle ernst gemeint?
2.2.7 "König"
Wieder ein Psalm. Toll.
2.2.8 Salbung mit dem Heiligen Geist
Hier zitieren wir Jesaja 11,2 und sehen ihn erfüllt in Matthäus 3. Jesaja 11,1 ist die Nazoräer-Geschichte. Es íst also die Fortsetzung davon. Wenn ich die Nezer/Nazaret/Nazoräer-Sache verwerfe, kann ich den Folgevers auch nicht mehr auf Jesus anwenden.
2.2.9 Sein Eifer für Gott
Na das ist ja süß. Dass Gottes-Messias (Gesalbter) einen gewissen Eifer für ihn an den Tag legen würde, kann man wohl auch ohne Belegstelle nachvollziehen. Was hat er wohl als Belegstelle? Klar, wieder mal — einen Psalm.
2.3 Jesu Dienst…
2.3.1 Von einem Vorboten angekündigt
Der Rufer aus der Wüste. Ich habe auf der verlinkten Seite ausführlich erklärt, warum ich diese Stelle auf die damalige Situation beziehe und auf nichts anderes. Schon gar nicht auf einen Johannes zur Zeit Jesu.
Ein Psalm. Hier muss ich nicht recherchieren. Zusammenhangslose Bibelstellen kann ich als Argument nicht akzeptieren.
2.3.5 Einzug in den Tempel
Das ist wirklich ein ganz tolles Argument. Er beweist, dass Jesus in den Tempel gehen wird. Das sieht er dann erfüllt in der Stelle, in der Jesus die Tische umwirft. Ausgesprochen kompetent. Klar wird der Messias sich mal im Tempel sehen lassen. Da brauche ich keine Stelle für.
2.3.6 Einzug in Jerusalem auf einem Esel
Na super. Hier erfüllt sich wohl weniger eine Prophetie. Hier erfüllt ein Jesus absichtlich eine Prophetie. Es ist etwa so, als ob ich prophezeihe, dass Ihnen morgen jemand eine runterhaut. Und morgen haue ich Ihnen dann eine runter.
2.3.7 Den Juden ein Stein des Anstoßes
Und wieder mal ein Psalm. Diese Prophezeihung wird auch dadurch nicht wahrer, dass Petrus sie im 1. Petrus 2,7-8 zitiert. Ich kann mir nicht einfach irgendeine Psalmstelle nehmen und sie zur Prophetie erklären. Auch Petrus kann das nicht. Ansonsten müsste man mal hingehen und schauen, wieviele Psalmstellen sich nicht erfüllt haben. Wollen wir das zusammen tun? Das wird bestimmt interessant!
2.3.8 Den Heiden ein Licht
Hier kommen wir tatsächlich zu einem interessanten Punkt. Er zitiert Jesaja 60. Ich hätte Jesaja 53 genommen. Dort wird verheißen, dass der Gottesknecht sich zu den Heiden wenden wird. Das ist zumindest ein interessanter Gedanke.
2.4 Geschehnisse nach der Grablegung
2.4.1 Die Auferstehung
Psalm 16,10. Gähn. Muss ich dazu noch was schreiben?
2.4.2 Die Himmelfahrt
Hier schreibt McDowel wörtlich: Du bist aufgefahren zur Höhe... Psalm 68,19. Was soll ich denn dazu schreiben? Für mich ist diese Stelle absolut an den Haaren herbeigezogen. Dieser Mensch ist doch offenbar Christ. Wie kann denn jemand so mit der Bibel umgehen?
2.4.3 Sitzend zur Rechten Gottes
Und Psalm 110,1 ...setze dich zu meiner Rechten... Muss ich nichts mehr zu schreiben.
2.5 Prophetien, die sich an einem Tag erfüllten
2.5.1 Verraten von einem Freund
Psalm 41,10. Irgendwelche Psalmen, die David schrieb, als er sich verraten fühlte, werden nun auf Jesus angewendet. David würde sich sicher im Grab herumdrehen.
2.5.2 Für 30 Silberstücke verraten
Super. Sacharja 11,12. Da wird von einem Töpfer geredet und von einem zerbrochenen Stab. Außer, dass dort von 30 Silberschekeln die Rede ist, sehe ich keine Parallelen.
2.5.3 Den Verräterlohn in den Tempel geworfen
Sacharja 11,13. Super im NT wird tatsächlich das Geld in den Tempel geworfen. Aber warum steht in Sacharja nichts von Judas Selbstmord? Das wäre doch irgendwie schön gewesen?
2.5.4 Der Preis für den Töpferacker
Interessant. Die gleiche Stelle wie in 2.5.3 erfüllt sich nun in Matthäus 27,7, wo der Töpferacker gekauft wird. Davon sagt Sacharja aber gar nichts. Dort wird das Geld nur dem Töpfer (Schmelzer) hingeworfen und nichts gekauft.
2.5.5 Von seinen Jüngern verlassen
Sacharja 13,7 zitiert er. Mein Hinweis. Lesen sie doch mal 13,8. Und dann sagen Sie mir bitte, wo hier eine erfüllte Prophetie auf Markus 14,50 zu finden ist.
2.5.6 Von falschen Zeugen angeklagt
Wieder mal ein Psalm.
2.5.7 Stumm vor seinen Anklägern
2.5.8 Verwundet und geschlagen
Endlich kommt Jesaja 53. Dies ist ein Kapitel, das ich außerordentlich beeindruckend finde. Dies ist einer der wenigen Punkte, die ich nicht verwefen will. Mich hat immer Jesaja 53 beeindruckt und ich konnte das ganze Kapitel früher auswendig. Alles, was McDowell bisher brachte ist für mich nichts anderes als eine Ausflüchtesammlung. Jesaja 53 allerdings lasse ich gern stehen als ein Kapitel, das mit dem leidenden Gottesknecht außerordentlich viele Parallelen zum Leben und Wirken Jesu aufweist. Es fragt sich allerdings, ob man statt eines Buches mit so vielen – in meinen Augen – halbgaren Prophetien, sich nicht lieber auf dieses Kapitel beschränkt hätte.
2.5.9 Geschlagen und angespuckt
Auch Jesaja 50 kann ich vorerst stehen lassen.
2.5.10 Verspottet
Psalm 22 — super. Was ist mit dem Löwen aus Vers 22? Nehen wir an, Jesus wäre nicht am Kreuz gestorben, sondern von Löwen getötet worden. Dann wäre Vers 22 doch sicher auch eine dieser Prophetien, bei denen man sagen würde: "Halleluja, hier steht geschrieben, dass Jesus durch Löwen angegriffen wird." War aber nicht so. Plötzlich sehen wir die Stelle im übertragenen Sinn. Ein Beispiel dafür, dass ich aus Psalmen alles herauslesen kann!
2.5.11 Die Last des Kreuzes
Psalm 109. Suchen Sie sich selbst die Stelle! Aber fragen Sie sich dabei selbst, ... ach egal.
2.5.12 Hände und Füße durchbohrt
Psalm 22. Siehe 2.5.10.
2.5.13 Mit Verbrechern gekreuzigt
2.5.14 Fürbitte für seine Peiniger
Jesaja 53,12. Habe ja schon geschriben, dass Jesaja 53 zu meinen Favoriten zählt. Aber was heißt eigentlich in dem Zusammenhang: Mit den gewalttätigen teilt er seine Beute...? Ignorieren wir das, wenn wir diese Prophezeihung für erfüllt erklären?
2.5.15 Vom eigenen Volk verworfen
Auch hier Jesaja 53.
2.5.16 Gehasst ohne Grund
Psalm 69. Finden Sie die richtige Stelle? Über wieviele Stellen müssen Sie drüberlesen, die sich nicht erfüllt haben?
2.5.17 Freunde halten sich fern
Psalm 38. Ansonsten wie 2.5.16.
2.5.18 Das Kopfschütteln der Leute
Suchen Sie sich doch selbst nen Psalm dazu. Diese Art der Argumentation macht doch nun wirklich keinen Sinn.
2.5.19 Angestarrt
2.5.20 Kleidung verlost und verkauft
Psalm 22. Vgl. 2.5.10.
2.5.21 Durst
Psalm 69. Suchen Sie sich den Vers selbst.
2.5.22 Schrei der Verlassenheit
Psalm 22. Jesus lebte in der damaligen Kultur und im damaligen Glauben. Ist es wirklich verwunderlich, dass er einen Spruch aus den Psalmen ruft, im Augenblick höchster Bedrängnis? Sowas kann ich doch nicht als Prophetie sehen. Das ist doch so, als ob wir in Bedrängnis das Vater Unser beten. Da käme auch keiner auf die Idee, Teile davon zur Prophetie zu erklären.
2.5.23 Er befahl sich Gott an
Wir schauen in Psalm 31.
2.5.24 Beine nicht gebrochen
Noch ein Psalm.
2.5.25 Sein gebrochenes Herz
David redet in Psalm 22 von seinem geschmolzenen Herzen und McDowell sieht darin Johannes 19,34 erfüllt.
2.5.26 Seine durchstochene Seite
Wo wir mit Psalm 22 nicht weiterkommen, weichen wir halt auf Sacharja 12 aus. Das ist prima. Suchen wir uns doch aus der ganzen Bibel aus, was wir uns gerade erfüllen wollen.
2.5.27 Die Finsternis
Amos wirkte um 750 v. Chr. herum im Nordreich. Wir wissen vom Nordreich, dass es 722 verschleppt wurde. Lesen Sie doch mal weiter. Ach so. McDowell zitiert Amos 8,9. Lesen Sie doch mal Amos 8,11. Lesen Sie 8,13. Das alles hat doch nichts mit dem Kreuzestod Jesu zu tun. Wie komme ich dazu, Amos 8,9 auf die Finsternis beim Tod Jesu zu interpretieren?
2.5.28 Begraben im Grab eines Reichen
Na super. Nun überstrapezieren wir aber meine Geduld mit Jesaja 53. In Vers 9 ist die Rede von einem Gottlosen und Reichen. Bei Matthäus 27,57 – McDowels Belegstelle – sehen wir, dass es sich um einen reichen Jünger Jesu handelte, der seinen Leichnahm bekam.
Mein Fazit zur Bibel im Test von Josh McDowell
Ich bin an dieses Buch früher viel zu unkritisch herangegangen. Gerade die Geschichte mit den alttestamentlichen Prophezeihungen ist außerordentlich komplex und man glaubt halt gern, dass es diese Prophezeihungen gibt.
Die Kommentare, die ich auf dieser Webseite flapsig zu den einzelnen Punkten von McDowell ergänzt habe, hätte ich früher gar nicht wahrnehmen wollen. Vor lauter Vertrauen in "Christen", hätte ich diesem Herrn überhaupt nicht zugetraut, dass er auf einer solchen Ebene argumentiert.
Ich schreibe es ganz offen. Mir fällt es schwer zu glauben, dass McDowell das selbst glaubt, was er in seinem Buch schreibt. Das ist meine private Meinung. Bei allem guten Willen und so sehr im mich bemühen mag, niemanden zu Unrecht zu verurteilen: Ich vertraue ihm und seinen Büchern nicht mehr. Machen Sie sich selbst ein Bild. Lesen Sie seine Argumente und stellen Sie meine dagegen.
Kommentare zu »Josh McDowel und seine Bibel im Test«