Ich habe damals einen Haufen Bücher zu Jehovas Zeugen gelesen. Viele davon waren interessant und natürlich lernt man überall etwas. Ich las allerdings auch viel über Zorn und Trauer über verlorene Jahre und ein Gefühl "wie konnte ich nur so dumm sein". Wenn ich ehrlich bin, keins dieser Bücher, die ich las, erzählte mir wirklich etwas von den Zeugen Jehovas, die letztenendes bei mir auf dem Sofa saßen. Trotzdem waren sie für mich eine Mischung von unterhaltsam bis erhellend, was Strukturen und Theologien der Wachtturm-Gesellschaft betraf.
Nur wenige Bücher über die Zeugen hinterließen bei mir wirklich einen bleibenden Eindruck. Nur zwei Stück sind mir in Erinnerung, die ich immer wieder aufschlug und in denen ich wie gestört rumgekritzelt habe :-) Wenn Sie sich für die Zeugen Jehovas interessieren, kann ich Ihnen diese Bücher empfehlen. Allerdings sollten Sie wissen, dass ich sie zwischen 1995 und 1997 las. Inzwischen hat sich bei den Zeugen viel getan.
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Charles T. Russell und die Zeugen Jehovas. Der unbelehrbare Prophet
Herr Stuhlhofer schaut sich die Geschichte der Zeugen Jehovas an. Charles Russel gründete diese Gruppierung einst als ernsthafte Bibelforscher und begann relativ schnell damit, mit abstrusen Berechnungen die Widerkunft Jesu vorauszusagen.
Es handelt sich um ein ausgesprochen interessantes Buch, das Ihnen sehr viel darüber vermittelt, wie sich die Zeugen entwickelt haben und wo ihre Wurzeln liegen. Liest sich wie ein Krimi. Ich konnte gar nicht mit dem Lesen aufhören.
Im Gespräch mit den Zeugen hilft Ihnen dieses Buch weniger. Kaum ein Zeuge interessiert sich scheinbar für das Geschwätz der Wachtturm-Gesellschaft von gestern.
Trotzdem - ein sehr empfehlenswertes Buch, nachdem Sie zumindest klarer sehen, mit wem Sie es zu tun haben.
Raymond Franz fing an als kleiner Missionar und wurde durch verschiedene Umstände bis in die Leitende Körperschaft hinein befördert.
Die Leitende Körperschaft kann man quasi mit dem Papst der Katholiken gleichsetzen. Nur ist es eben ein Gremium. Dort kamen ihm einige Sonderlehren merkwürdig vor, er recherchierte und wurde schließlich von der Organisation ausgeschlossen.
Das Buch liest sich ausgesprochen gut und gibt einen Einblick in Hintergründe.
Allerdings sollten Sie wissen: über kritische Bücher wollten sich meine Zeugen Jehovas mit mir nie unterhalten. So offen sie auch gewesen sein mögen, diese Offenheit hat ihre Grenzen bei der Auseinandersetzung mit Aussteigern.
Wenn sie sich nur für reine theologische Fragen interessieren, schauen Sie am besten in der nächsten Buchhandlung, was Ihnen am meisten zusagt. Aber Vorsicht. Es gibt hier wirklich auch einiges an Müll, das man sich nicht antun muss.
Die Bücher, die ich Ihnen hier vorgestellt habe, eignen sich gut als Einstieg, aber auch als "Ausstieg". Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, wenn ich bei beiden der Ansicht bin, dass sie Ihnen argumentativ im Gespräch mit den Zeugen nicht so wahnsinnig viel bringen. Die Zeugen wollen über die Bibel sprechen. Hier erhalten Sie Hintergründe, die sind aber gerade bei den Zeugen sehr interessant.
Wenn Sie versucht sind, die Theologie der Zeugen Jehovas ernst zu nehmen, schadet es nichts, sich mal anzusehen, wie oft sich diese Gemeinschaft denn schon selbst korrigiert hat.
Wenn Sie selbst Zeuge Jehova sind, darüber nachdenken, Ihre Gemeinschaft zu verlassen und nun mit den typischen Gedanken zu kämpfen haben, mit denen auch ich beim Ausstieg aus meinem Glauben zu kämpfen hatte. Dann helfen Ihnen diese Bücher evtl. ein wenig über den Tellerrand hinauszusehen.
Und wenn Sie sich einfach aus Interesse oder zur Vorbereitung auf Gespräche mit den Zeugen Jehovas schlau machen möchten, helfen Ihnen diese beiden Bücher zu verstehen, dass die Theologie der Zeugen im Fluss ist. Die Zeugen glauben heute bestimmte Lehren. Was gestern war, ist vorbei und nicht mehr interessant. Und morgen schon kann im Wachtturm eine ihrer Grundlehren umgeworfen werden. Ab dann werden alle etwas anderes glauben. Das wird für sie "normal" sein.
In einem meiner Gespräche mit den Zeugen, hinterfragte mein Gesprächspartner die unterschiedlichen christlichen Konfessionen. Es kann doch nicht sein, dass alle Christen etwas unterschiedliches glauben.
Ich hatte damals das Glück, dass ausgerechnet der aktuellste Wachtturm eine Hauptlehre änderte, den ich dem Zeugen sofort brühwarm auf den Tisch legte. Gebracht hat das natürlich nichts, außer der Genugtuung, an seinem Gesichtsausdruck zu sehen, dass er hier heute nicht mehr erhobenen Hauptes durch meine Wohnungstür gehen wird. Das war aber reiner Zufall. Alternativ dazu hätte man ihm auch den Stuhlhofer auf den Tisch legen können, denn der hat sich die Mühe gemacht, in alten Archiven alte Publikationen der Zeugen mit Quellenangabe zu durchforsten. Die meisten Zeugen kennen ihre Geschichte nicht. Aber wenn sie es versuchen, können sie alles nachprüfen. Ich schreibe mich schon wieder in Stimmung :-) Also Schluss.
Ich wünsche viel Erfolg und gute Unterhaltung beim Lesen.