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Wer auf dieser Seite auf viele Literatur-Tipps hofft, den muss ich leider enttäuschen. Ich habe sicher viel zu diesem Thema gelesen. Hängengeblieben bin ich nur an zwei Büchern. Keins von beiden habe ich heute mehr. Darum wird diese Seite auch nur grob die Problematik umschreiben.
Im Kapitel Kaffesatz lesen habe ich ausführlich verschiedene Denkfehler zum Erkennen des Willens Gottes dargestellt. Ich bin in diese Falle voll hineingetappt, als ich mich auf der Bibelschule in eine Mitschülerin verliebte. Um eine jahrelang andauerende Story kurz zu machen: es hätte etwas mit uns werden können. Dummerweise gab es 12 Jahre zuvor eine Situation mit einem jungen Mädchen auf einem Fahrrad, einem dunklen Wald und einem bösen Mann. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben.
Heute weiß ich: diese Frau brauchte dringend Hilfe, die ich ihr nicht geben konnte. Damals begann ich zu fasten und Zeichen zu interpretieren. Aus heutiger Sicht tat ich sowas von das Falsche, dass es mir manchmal peinlich ist, alte Tagebücher zu lesen. Warum tat ich das Falsche? Weil ich keine logischen Entscheidungen mehr traf. Ich suchte nach dem Willen Gottes, doch ich fand nur Verwirrung.
Dann bekam ich von einem Mitschüler einen interessanten Literatur-Tipp:
Damals handelte es sich um zwei Dicke Schinken. Wenn ich mich recht erinnere, befindet sich am Ende von Band 2 ein relativ kurzer Abschnitt von ein paar Seiten zum Thema "Gottes Wille erkennen". Ich habe irgendwas mit Seite 713 im Kopf. Aber nach über 10 Jahren - keine Ahnung, ob das noch passt.
Wer eine Chance hat, an diese beiden dicken Bücher heranzukommen, der findet hier eine Theologie, die ein Einwirken Gottes im Sinne von Du fragst Gott und er zeigt dir, was er von dir will und du sollst es dann tun ziemlich ausschließt. Gott hat uns ja schon durch seine Gebote oder das was Jesus sagte klargemacht, was sein Wille ist. Innerhalb dieses Bereichs dürfen wir uns frei bewegen. Und wenn er etwas anderes möchte, dann wird er es auch schon deutlich machen.
Ich war von diesem Teil seiner Ethik damals absolut begeistert. Das Logische tun, hieß die Devise.
Das Problem lässt sich gut und kurz beschreiben: in der Bibel gibt es Wunder. In der Bibel gibt es auch ein Eingreifen Gottes. In der Bibel gibt es auch Geistesgaben, auch wenn ich denen damals sehr distanziert gegenüberstand. Und - immer wieder hörte man vom Willen Gottes. Ob in Predigten, ob in Zeugnissen oder auch einfach nur in Gesprächen.
So war die Ethik Prof. Dr. Schirrmachers schön und gut. Aber sie schloss quasi ein Eingreifen Gottes fast aus. Damit stand sie aber genau dem entgegen, was viele Christen erleben und wovon auch viele Christen immer wieder berichten.
Ich versuchte mich weitestgehend auf seine Theologie einzulassen. Was war die Folge? Mein Glaube wurde blutleer.
Ich habe seine Ethik nun schon über 10 Jahre nicht mehr in der Hand gehabt und will mir daher kein Urteil erlauben. Darum will ich nur schreiben, welche Auswirkungen seine Ausführungen auf mein Leben hatten: ich erwartete keine Führung mehr von Gott.
Ganz sicher hatte ich das, was zu einer lebendigen Beziehung zu Gott notwendig war. Ich hielt nahezu jeden Tag meine Stille Zeit, betete und las Bibel. Ich rechnete auch noch mit Gottes Eingreifen, aber ich versuchte nicht mehr im Kaffeesatz meines Lebens zu lesen. Genau daran kommt man aber als Christ irgendwie doch nicht vorbei. Denn wie gesagt: viele Menschen hören scheinbar das Reden Gottes. Je nach Gemeindeform mehr oder weniger.
Und natürlich ist auch die folgende Frage immer präsent: Tue ich das richtige? Ist es wirklich richtig, einfach meinen Weg zu gehen und zu sagen: "Gott, wenn du was anderes möchtest, sag es einfach!" Mache ich es mir damit nicht etwas zu einfach? Was ist mit den vielen Leuten, die Gott ständig nach dem richtigen Weg fragen und davon berichten, dass er auch regelmäßig zu ihnen spricht.
Das Reden Gottes in meinem Leben aufgrund dieser Ethik auszuschließen erschien mir auf Dauer auch nicht die korrekte Lösung zu sein. Auf irgendeiner Konferenz oder Veranstaltung kaufte ich mir ein Buch von...
(Der Titel ist nach Gedächtnis wiedergegeben. Er könnte geringfügig anders lauten)
Jack Deere war nun jemand, der scheinbar ständig in Telefonkontakt mit Gott stand. Ein absolut beeindruckendes Buch, das mir aber - so ehrlich will ich sein - außer einer großen Verwirrung absolut nichts gebracht hat.
Ich streckte mich aus nach Gott. Ich streckte mich aus nach den Geistesgaben. Ich streckte mich aus nach Prophetie, Zungenrede und weiß ich was. Ich plante sogar, bei der Gemeinde von Kopfermann (der mich in einer Predigt mal sehr beeindruckt hatte) für ein Praktikum anzufragen. Was passierte? Es passierte nichts. Absolut nichts.
In der besagten "beeindruckenden" Predigt, die ich von Kopfermann hörte, stellte er das Problem der Christenheit dar. Er sagte in etwa: Erfahrungen [mit Gott] werden nicht mehr selbst gemacht. Man lebt von den Erfahrungen anderer aus Büchern.
Wie wahr. Genau das tat ich. Ich las dieses Buch von Jack Deere und ein anderes von ihm mehrere Male. Ich war so offen, wie man nur sein konnte. Alles was ich sagen kann: in meinem Leben passierte absolut nichts.
Da stand ich nun. Wie sollte ich diese beiden nun bewerten? Wer hatte Recht? Beide konnten nicht Recht haben, aber beide waren zweifelsfrei Christen. In einem meiner Tagebücher steht:
Thomas Schirrmacher verfolgt eine unbiblische Meinung (da er viele charismatische Dinge ausblendet). Der von ihm beschriebene Glaube ist aber genauso erfahrbar und macht daher den Eindruck, dass sich Schirrmacher bei seiner Auslegung an seinen Erfahrungen orientiert hat.
Jack Deere verfolgt eine biblische Meinung, die aber für mich nicht erfahrbar ist. Seine Bücher machen zwar nicht den Eindruck eines Lügners. Es bleibt aber dabei, dass sein Glaube für mich so nicht erfahrbar ist.
Und so schrieb ich in meinem Tagebuch mein Fazit dazu nieder:
Wenn es die Möglichkeit gibt, dass Gott mit einem redet und er es mit mir nicht tut. Dann könnte zum Verstehen des Redens Gottes die Gabe der Prophetie nötig sein. Die einzige einigermaßen sinnmachende Erklärung für meine Situation ist es, dass es eine Gabe der Prophetie gibt und ich diese Gabe nicht habe. Nicht das kleinste bißchen davon.
Meine Frage an Sie: Wo ist der lebendige Gott in meiner Geschichte. So wie mir ergeht es vielen anderen Menschen. Möglicherweise auch Ihnen. Ist das wirklich die einzige Erklärung, die übrigbleibt? Es gibt einen Gott, der aber nicht mit mir reden will (weil er mir sonst die Gabe der Prophetie gegeben hätte).
Urteilen Sie selbst.
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