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Matthäus 5,28:
Wer eine fremde Frau nur ansieht und sie begehrt, hat doch innerlich schon längst mit ihr die Ehe gebrochen.
Schreibt man das wirklich so? Nicht etwa Ornanie oder ornanieren? Nein, man schreibt es wirklich so. In der Bibel gab es nämlich einen Herrn Namens Onan im 1. Mose 38. Nachdem unser leicht reizbarer Bibel-Gott dessen Bruder Ger umgebracht hatte, befahl er Onan, gefälligst noch in seines Bruders Namen Nachkommen mit Gers Ehefrau zu zeugen. Onan gefiel das nicht und er erfand daraufhin den Coitus interruptus. Das wieder fand unser Bibel-Gott nicht gut und brachte ihn auch um.
Und so wurde Onan Namensgeber für Masturbation — sicher hätte er sich das nicht träumen lassen. Und sicher würde er heute darauf hinweisen wollen, dass er in seinem Leben auch andere schöne Dinge vollbracht hat, als zu onanieren. Doch nun Spaß beiseite.
Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt hier eingestiegen sein, seien Sie bitte so freundlich und lesen Sie den Abschnitt mit meinen ehrlichen Worten, bevor Sie hier weiterlesen. Mir ist es wichtig, dass ein paar Dinge geradegezogen sind, bevor wir hier über andere sprechen.
Meine Klasse war nicht besonders groß. Wenn ich mich recht erinnere, waren wir vier Jungs und ein Mädchen. Einer war verheiratet.
Unser Lehrer im Fach systhematische Theologie war anders als andere Menschen. Extrem strukturiert denkend, war er manchmal etwas putzig. Man hatte den Eindruck, dass sein ganzes Leben in Schubladen stattfand. Er war ein ebenso liebenswerter wie auch sonderbarer, manchmal ebenso verwirrt, wie doch messerscharf denkender Professor. Ich mochte ihn sehr, auch wenn ich seinem Unterricht nicht immer folgen konnte und seinen Predigten noch weniger.
Das besondere an J. – unserem Lehrer – war seine fast unmenschlich wirkende Art, das Leben in Kategorien zu sehen. Wenn etwas irgendwie war (oder sein sollte), dann war es eben so. Die Frage nach Graubereichen stellte sich für ihn nicht, weil das Leben eben nur in schwarz oder weiß unterteilt war. Äußerst liebenswert, immer für eine Überraschung gut, aber doch immer klar und unausweichlich in bestimmten Bahnen denkend, wie ein Zug, der nur auf seinen Schienen fahren kann.
J. war geschaffen für das Lehramt des Dogmatikers. Dazu muss man wissen, dass es im Fach Dogmatik oder Systhematische Theologie darum geht, die Bibel in ihre ganzen Einzellehren zu zerlegen. Der Dogmatiker sieht die Bibel also weniger am Stück, sondern zerschneidet sie quasi und klebt sie nach Themengebieten wieder zusammen. Aus den einzelnen Stellen zu einem Thema – den Widersprüchen und Ergänzungen – leitet er dann eine Lehre ab.
J. war einer dieser Menschen, die einem das ins Gesicht sagen konnten, was man nicht hören wollte. Und es war ihm dabei relativ egal, wenn man sich danach schlecht fühlte. Er verstand auch gar nicht, wo das Problem war. Man hatte ihn gefragt, er hatte die richtige Antwort gegeben. Was sollte daran schlecht sein. Gelegentlich fehlte ihm das menschliche. Man fragte ihn, die Schublade ging auf und wieder zu. Dann hatte man die Antwort. Ungefiltert, unmissverständlich, klar & manchmal hart. Gefühle waren da weniger vorgesehen.
Warum schreibe ich dies alles? Weil wir an diesem einen Tag einen Schlenker vorbei am Thema Selbstbegfriedigung machten. Dem Thema, das so ziemlich jeden christlichen Mann mit einigermaßen funktionierenden Hormonen verrückt macht.
J. sagte, dass er in seelsorgerlichen Gesprächen Selbstbefriedigung nicht als Sünde darstellt. Das ist sicher lobenswert, stand aber im krassen Gegensatz zu dem harten J. der doch eigentlich die Lehre über alles stellte. Er sagte so etwas wie: "Sonst denken die Leute, dass sie in ewiger Sünde leben..."
Dass ausgerechnet J. an dieser Stelle einen Kompromiss zu machen schien, war für mich äußerst verwirrend. Ich fragte nochmal nach und brachte die oben aufgeführte Stelle ins Spiel. Er gestand mir zu, prinzipiell Recht zu haben. Aber aus seelsorgerlichen Gründen, sei hier ein gewisses Fingerspitzengefühl nötig. Nach dem Unterricht gab es Redebedarf. Alle unverheirateten Jungs fingen an zu diskutieren. Der Verheiratete ging nach Hause und das Mädchen in unserem Kurs verstand nicht so richtig, was wir denn hatten. So ìst der Lauf der Dinge ;-)
Für mich gab es während meiner christlichen Zeit nur einen Satz, der maßgebend war. Und den habe ich Eingangs erwähnt: Matthäus 5,28.
Selbstbefriedigung ist ja nun kein rein mechanischer Akt. Im Gegenteil. Es fängt mit einem Gedanken an und ohne diesen Gedanken geht es nicht weiter. Damit will ich sagen: wer sich selbst befriedigt, stellt sich dabei etwas vor. Und wenn man normal veranlagt ist, ist dieses etwas in aller Regel eine Frau. Und damit sind wir genau im Geltungsbereich dieses Satzes von Matthäus 5,28:
Wenn du die Frau nur ansiehst oder dir vorstellst, wie du schöne Dinge mit ihr machst, hast du die Sache doch schon längst in Gedanken durchgezogen. Du willst mir doch jetzt wohl nicht erzählen, dass du die Alte wegschicken würdest, wenn sie plötzlich vor dir stehen würde.
(Mal etwas freier übersetzt).
Wenn selbst die strukturiertesten Lehrer an einer Bibelschule hier plötzlich Zugeständnisse machen, ist das doch ein Zeichen dafür, wie menschlich dieses Gebot ist.
Der Kirchenvater Origenes (2. — 3. JH n. Chr.) hatte sich damals selbst kastriert. Man muss sich mal vorstellen, wie hilflos sich Menschen fühlen, die so weit gehen. Vielleicht darf ich darauf hinweisen, dass es damals keine Betäubung gab. Wie verzweifelt muss jemand sein, der so etwas macht.
Unter Männern gibts ja offenbar nicht die gleiche Offenheit, wie unter Frauen. Zumindest nicht unter christlichen Männern. Auch ich hatte jede Menge Verklemmungen in dieser Richtung aufgebaut. Selbstbefriedigung war ein notwendiges Übel, über das man aber nicht sprach und insgeheim ein schlechtes Gewissen hatte.
Ein paarmal in meinem Leben als Christ kamen Leute auf mich zu mit den Worten, sie fühlten sich so schmutzig, bla, laberten rum ohne was zu sagen. Ich brachte es dann immer auf den Punkt und lag auch nie falsch.
Ich sehe ein großes Problem unter christlichen Männern. Männer brauchen dieses Ventil der Selbstbefriedigung, um irgendwie mit dem Leben und ihren Hormomen klarzukommen. Problem: sie müssen sich dabei etwas vorstellen. Damit verstoßen Sie dann gegen das oben erwähnte Gebot Jesu. Das ist schlecht für das Selbstbewusstsein, vor allem weil Selbstbefriedigung kein gelegentlich auftretendes Phänomen ist, sondern mit großer Regelmäßigkeit auftritt.
Herzlichen Glückwunsch. Wir kommen nun zum peinlichsten Teil dieser Ausarbeitung. Getrieben von hochgeistlichen Gefühlen traf ich in meinem Leben zweimal die Entscheidung, die Selbstbefriedigung völlig einzustellen. Einmal schaffte ich es über einen Zeitraum von drei Monaten. Das ist extrem lobenswert und beeindruckt mich selbst heute noch — wenn es nicht so völlig überflüssig gewesen wäre.
Das andere mal waren nur ein oder zwei Wochen. Die allerdings mit dem Bonbon, dass ich die letzte Stunde, bevor es wieder passierte, Tagebuch schrieb. Was da drinsteht, kann ich hier wirklich nicht veröffentlichen. Ich kann nur soviel schreiben: Männer, die dieses Ventil nicht betätigen, werden zum Tier. Sie können nicht mehr denken, sie können nichts mehr tun, sie verlieren jede Souveränität und sind letztenendes nur noch bedauernswerte Wesen, die sich ähnlich wie eine rollige Katze mit dem Leben abplagen, nur dass sie versuchen, es nicht so zu zeigen.
Mir kann es heute egal sein, wie Sie sich mit ihrem Leben abplagen. Ich kann Ihnen nur eins aus meiner Beobachtung von mir selbst sagen: Wenn Sie ein Leben mit schlechtem Gewissen führen, zieht Sie dieses Leben immer weiter herunter. Sexualität gehört zu Ihren Grundbedürfnissen.
Von der Bibel her, kann ich Ihnen keine gute Nachricht geben. Ich habe nie eine Stelle gefunden, die mich vor mir selbst in irgendeiner Weise entlastet hätte. Und die Worte dieses Professors halfen mir auch nicht. Wenn ich irgendwann vor Gott stehe, kann ich mich nicht auf J. berufen und sagen: aber mein Lehrer hat gesagt.
Wenn Sie feststellen, dass Ihr Selbstbewusstsein und Ihr Selbstvertrauen wegen Ihrer Sexualität schwindet, ziehen Sie rechtzeitig die Notbremse. Führen Sie lieber ein Leben ohne fromme Liedchen als ein Leben ohne Souveränität.
Und wenn Ihre ehemaligen Mitchristen anfangen, über Sie abzulästern, machen Sie sich eins bewusst: niemand draußen in der Welt, wird auch nur das geringste Verständnis für diese völlig überzogenenen und lange nicht mehr der Zeit entsprechenden Moralvorstellungen haben. Sie werden nur Kopfschütteln ernten, wenn Sie von den Moralvorstellungen der Christen erzählen. Und Sie werden keinesfalls eine so verdorbene Welt vorfinden, wie Sie es möglicherweise erwarten.
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