Impressum
Datenschutz

Kein Sex vor der Ehe - kein vorehelicher Geschlechtsverkehr

Hebräer 13,4:

Die Ehe soll in Ehren gehalten werden und das Ehebett unbefleckt, denn Gott wird die Ehebrecher und Unzüchtigen richten.

Wir kommen nun zu einem ebenso schwierigen, wie peinlichen, wie auch umstrittenen Thema. Nämlich der Vorschrift, auf Sex außerhalb der Ehe zu verzichten. Ehrlich gesagt fühle ich mich nicht wohl, hier über persönliche Erfahrungen zu schreiben. Aber ich bin der Meinung, dass hierzu etwas im Netz zu finden sein muss.

Bevor es losgeht

Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt hier eingestiegen sein, seien Sie bitte so freundlich und lesen Sie den Abschnitt mit meinen ehrlichen Worten, bevor Sie hier weiterlesen. Mir ist es wichtig, dass ein paar Dinge geradegezogen sind, bevor wir hier über andere sprechen.

Kein Sex vor der Ehe - die Lehre der Verheirateten

Damals während meiner Zeit als Christ, habe ich zahlreiche Bücher gelesen, in denen das Thema Verzicht auf vorehelichen Geschlechtsverkehr zumindest angeschnitten wurde. Ich muss nicht erwähnen, dass keins davon einen unverheirateten Autor hatte. So schreiben also Verheiratete, die dieses Problem nicht mehr haben, wie wichtig es doch ist, mit dem Sex bis zur Ehe zu warten.

Biblische Begründung des Gebotes, mit dem Geschlechtsverkehr bis zur Ehe zu warten

In meinem ersten Jahr auf der Bibelschule richtete man dort noch jährlich einen Jugendtag aus, an dessen Organisation auch Schüler beteiligt waren. Der 1990er-Jahrgang der vierjährigen Schüler war für mich immer schon etwas wild und ungezähmt. Der folgende Satz fiel dann gleich zur Begrüßung eines Seminares über den Umgang mit Sexualität.

Ich erzähle euch hier heute nicht, ob ihr vor der Ehe dürft... ...da bin ich mir nämlich selbst nicht so sicher...

In meinen Augen bezeichnend für diesen 1990er-Kurs. Dieser Schüler hier stand kurz vor seinen Prüfungen. Vielleicht noch ein halbes Jahr, dann konnte er Pastor oder Jugendpastor werden. Da hatte ich einen etwas anderen Umgang mit dieser Thematik erwartet. Aber die 1990er waren eben so wie sie waren. Damals mochte ich sie nicht. Heute weiß ich: diese Jungs hatten Charakter und ihre Kanten. Sie erzählten niemandem das, was er hören wollte und glaubten schon gar nichts deshalb, weil es alle glaubten. Sie hatten etwas herausgefunden, das auch ich mit der Zeit entdeckte: die biblische Lehre, mit dem Sex bis zur Ehe zu warten, ist viel unklarer beschrieben, als viele vermuten würden.

Kein Sex vor der Ehe - meine biblische Begründung

Ich war acht Jahre lang Christ und in diesen acht Jahren bete ich nahezu täglich, hielt meine Stille Zeit, las Bibel, teilweise mit Kommentaren und beschäftigte mich mit allen Lehren, die mir auf dem Herzen lagen. So natürlich auch mit dieser Lehre "Kein Sex vor der Ehe". Ich fand viele kluge Ansichten in Büchern, viele Schlussfolgerungen und viele Meinungen. Aber – man lese und staune – ich fand nur einen einzigen Bibelvers, der für mich unmissverständlich genug war, um dieses Gebot wirklich als von Gott gegeben anzusehen. Und dies auch nur mit Kopfschmerzen.

Ein einziger Bibelvers in der kompletten Bibel. Sie finden ihn direkt oben in der Einleitung. Dieser Vers steht ausgerechnet im Hebräerbrief, von dem ich ja bereits an anderer Stelle ausgeführt habe, dass wir von dem nicht mal den Autor kennen und dass ihn Luther in seiner Übersetzung an den Schluss setzte, weil er sich auch nicht so sicher war, was er von ihm halten sollte.

Wenn man sich nun mit der Thematik Sex beschäftigt, sollte man zwei Vokabeln kennen: Πορνεια (Porneia = Unzucht) und Μοιχεια (Moicheia = Ehebruch). Nun haben wir im Neuen Testament das Problem, dass Πορνεια (Porneia) auch Götzendienst bezeichnet. Es ist eben ein griechisches Wort, das in dieser Sprache ein breiteres Bedeutungsspektrum hat als unser entlehntes Wort Porno. Damals gab es Tempel und Tempelprostituierte. Männer gingen in einen Tempel, taten dort schöne Dinge und dienten damit gleichzeitig irgendeiner Gottheit. Klar, dass der Gott der Bibel davon nicht begeitert war. Aber ebenso klar, dass wir hier nicht vom klassischen Sex vor der Ehe unter Menschen sprechen, die zusammen sind und sich lieb haben.

Und so hat das Wort Porneia ein Bedeutungsspektrum, das sich eben nicht einfach mit dem merkwürdigen Wort Unzucht übersetzen lässt. Das Wort Unzucht wird dem Wort Πορνεια (Porneia) nicht gerecht. Πορνεια beinhaltet eben auch Götzendienst. Und dementsprechend schwierig wird es nun, wenn man nach ehrlichen und realtisten Auslegungen sucht. Denn was ist im speziellen Fall mit Porneia eigentlich gemeint?

Andere mögen es anders sehen, für mich überzeugend war nur diese eine Hebräerstelle. Dort standen Ehebruch und Unzucht direkt nebeneinander. So, dass es auf mich den Eindruck machte, als ob der Autor speziell ebenso sexuelle Vergehen während der Ehe wie vor der Ehe verurteilen wollte. Denn was ist der Unterschied zwischen Ehebrechern und Unzüchtigen? Die einen schlafen mit fremden verheirateten Frauen, die anderen mit unverheirateten. Das war meine Erklärung hierfür. Aber auch diese Erklärung schloss nicht aus, dass mit dem Wort Πορνεια (Porneia) eigentlich der Verkehr mit Tempelprostituierten verurteilt werden sollte. Es ist eben ein wenig, wie in meinem Klapsmühlen-Beispiel beschrieben. Keiner kann genau sagen, was damals wirklich gemeint war.

Kein Sex außerhalb der Ehe - ein unhaltbares Gebot?

Wir haben uns ja darauf geeinigt, hier ehrlich miteinander zu sein. Darum meine ehrliche Meinung. Wenn man aufgrund einer abstrusen religiösen Auslegung von einem jungen Paar erwartet, auf Sex vor der Ehe zu verzichten, ist das in meinen Augen pervers. Im Laufe der Zeit haben mir gegenüber nahezu alle Menschen – mit denen ich mal ein offeneres Gespräch geführt habe – zugegeben, dass sie "es nicht geschafft haben". Aber was bedeutet "nicht geschafft"? Es bedeutet, dass hier zwei Menschen ein schlechtes Gewissen haben. Und dass eine Zeit, die eigentlich schön sein sollte unter einer dunklen Wolke stattfindet. Dass sie ihre Umwelt belügen und sich irgendwie auch selbst.

Kurzer Einschub zu "nicht geschafft"

Ich spreche auch heute gelegentlich noch mit meinen christlichen Freunden über den Glauben. Gerade letzte Woche war ich wieder bei einem alten Freund zu Besuch. Seit Mitte der 90er ist er verheiratet und wir hatten das gemeinsame Vergnügen, uns in den frühen 90ern gemeinsam mit diesem Sex-Gebot abzuplagen. Ich weiß noch, wie mir seine Frau damals mit verstörtem Gesichtsausdruck "gestand", dass auch sie dieses Gebot irgendwann ignoriert haben. Das hatte eine besondere Brisanz, weil sie mit ihrem früheren Freund gerade aus diesem Grund Schluss gemacht hatte.

Was meinen Sie, was mir dieser besagte Freund letzte Woche erzählt hat? Etwas in der Richtung, dass dieses Gebot ja für junge Menschen ganz gut sei. Ich hatte damals eine enge Bindung zu den beiden. Darum weiß ich, dass sowohl ich, als auch die beiden mit großen Schuldgefühlen zu kämpfen hatten. 15 Jahre später sind die abgeklungen und plötzlich ist dieses unhaltbare Gebot wieder für junge Menschen ganz gut. Gerade noch rechtzeitig, um seinem pubertierenden Sohn diesen Scheiß wieder aufzubürden.

Das gemeine an diesem Gebot ist ja, dass man nicht eine Einzel-Sünde begeht. Nein, um mit seinen Hormonen klarzukommen muss man quasi die Entscheidung treffen, in Sünde zu leben. Ich habe mich davon mein ganzes restlichen Glaubensleben nicht mehr richtig erholt. Für mich bestand niemals ein Zweifel daran, dass mein Gott mir diese Sache vergeben hatte. Aber ich hatte eine tiefsitzende Angst, dass mir so etwas noch einmal passieren könnte. Und dieses befreundete Pärchen von dem ich hier erzählt habe — man brauchte damals nur in ihre Augen zu sehen, um festzustellen, dass diese Sache auch an ihnen nicht spurtlos vorüber gegangen war. Man hatte eine tiefe innere Enttäuschung über sich selbst erfahren, eine Vision und quasi irgendwie auch seine Unschuld vor sich selbst verloren. Denken Sie, was Sie möchten. Aber "gut" ist etwas anderes.

Sicher – wenn es einen Gott gibt, der Wert auf ein solches Gebot legt – wer bin ich, dass ich etwas dagegen sage. Schlimm ist es allerdings, wenn es diesen Gott nicht gibt. Meine Ansicht dazu habe ich ja mit dieser Webseite klargestellt. Und ich bin ehrlich gesagt fest davon überzeugt, dass auch Sie nicht wirklich an diesen Gott mit allen seinen grausamen Lehren glauben. Darum ja auch mein Verweis auf meine Seite mit den ehrlichen Worten zu Beginn.

Außerehelicher Geschlechtsverkehr - weil man sich damit weniger verletzten würde

Das ist nun wirklich der größte Unsinn, den ich jemals gehört habe. Mit solchen Argumenten wollen Christen ein unmenschliches Gebot irgendwie menschlich darstellen. Gott sorgt sich ja so sehr um uns Menschen und so können wir uns viel weniger verletzen und weiß ich was ... Gott ist so gut zu uns ...

Sicher ist es immer schwer, wenn sich einer der Partner irgendwann trennt und eigene Wege geht. Aber es wird weder schwerer noch leichter, wenn man davor Sex hatte. Es ist nicht der Sex, der verletzt. Es sind die Umstände, die persönliche psychische Stabilität und die (ehemalige) Enge der Beziehung zum Partner. Ob man Sex hatte oder nicht, spielt für die Stärke der Verletzung keine Rolle.

In meinem Leben fügten mir die stärksten emotionalen Verletzungen eine Frau zu, mit der ich niemals intim war.

Es ìst sicher eine schlimme Sache, wenn man ausgenutzt wird. Wenn sich später herausstellen sollte, dass jemand nur mit Ihnen zusammenwar, weil er/sie Sex wollte. Aber mal ganz ehrlich? Ist sowas nicht schon vorher erkennbar? Wenn man sich mit oberflächlichen Menschen einlässt, wird man von Ihnen auch verletzt. Aber es soll mir doch niemand erzählen, dass man diese oberflächliche Ausrichtung von Menschen nicht während einer Beziehung erkennt. Wer sich dann weiter darauf einlässt, ist an den Folgen selbst Schuld. Aber auch hier kommen die Verletzungen nicht vom Sex. Sie kommen von der eigenen Dummheit und dem eigenen Wunsch, etwas zu behalten, das eigentlich keine Zukunft hat. Um nicht missverstanden zu werden: ich mache hier ausdrücklich keine Werbung für sexuelle Beziehungen ohne Zukunft.

Wahre Liebe wartet - realitätsferner Unsinn?

Aus Amerika schappte eine Welle hier nach Deutschland mit der Bezeichnung "wahre Liebe wartet" (true love waits).

In meinen Augen darf sich jeder sein Leben auf seine persönliche Weise schwer machen. Aber erwähnen möchte ich diese Strömung wenigstens. Wenn man sich solche groß angelegten Aktionen anschaut, ist man manchmal versucht, beeindruckt zu sein. Was diese Aktion leider nicht schreibt, ist, wieviele Leute sich denn vor ihrem Gott zu etwas verpflichtet haben, das sie dann nicht halten konnten.

Wahre Liebe wartet - auch nach 5 Jahren noch?

Wie hoch ist denn die Ausstiegsquote und wie hoch ist die Zahl derer, die diese Lehre auch nach 5 Jahren noch vertreten? Darüber redet man in der Regel nicht. Auch eine Frage: wie hoch ist die Quote derer, die nach einigen Jahren psychische Probleme bekommen und Seelsorge oder Therapie in Anspruch nehmen müssen, weil sie sich etwas abzwingen wollten, das sie einfach nicht schafften. Und — wieviele Menschen sind aufgrund dieser Strömung viel zu schnell eine Ehe eingegangen?

Wahre Liebe wartet - oder trifft vorschnelle Entscheidungen?

Ich weiß, wovon ich rede. Auch ich war mal fromm. Und auch ich stand plötzlich dem Phänomen gegenüber, dass sich plötzlich alle verloben wollten und dass Menschen schon nach wenigen Monaten ihre Hochzeit planten und durchführten. Diese Strömung hat keineswegs nur ihr Gutes. Sie verleitet junge Menschen zu vorschnellen Entscheidungen. Dies ist meine Meinung.

Wahre Liebe wartet - und braucht keine Verhütung?

Auch eine Sache, die mir aufgefallen ist: die Verhütung. Nur weil jemand sich zum "warten" entscheidet, heißt das doch längst nicht, dass er/sie es auch schafft. Wenn dann zwei Menschen plötzlich feststellen, dass es da auch Hormone gibt, die sie etwas enger zusammenbringen, als sie das vielleicht geplant haben, hat man sich mit der Thematik Verhütung leider nicht beschäftigt. Auf dieser Webseite findet man ja nun auch eine Story, wie daraus dann ein Kind hervorgegangen ist.

Wahre Liebe wartet - weil es gerade mal cool ist?

Wahre Liebe wartet. Es wird ein Thema aufgebauscht und dann werden ein paar junge Erwachsene befragt. Dazu muss man wissen, dass junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 25 in einer ganz entscheidenden Wertfindungsphase ihres Lebens sind. Dementsprechend gern reden sie auch über ihre Werte. Es ist eben sexy, Werte zu haben. Wer Werte hat, ist cool + weiß, wo es langgeht. Aber es sollte auch nicht vergessen werden, dass junge Menschen dieser Altersgruppe genauso gern ihre Werte wieder verwerfen. Dann interviewt sie allerdings niemand mehr, denn dann zitiert man die nächste "Generation" von wahre-Liebe-wartern.

Wahre Liebe wartet - Spar-Romantik statt echter Verantwortung?

Wahre-Liebe-wartet mag irgendwie romantisch klingen. Zeitgemäß ist es meiner Ansicht nach nicht. Ich habe große Hochachtung für Menschen, die sich Zeit nehmen und verantwortlich mit sich und anderen umgehen. Für eine Aktion, die jungen Menschen mittelalterliche Moralvorstellungen aufzwingen möchte, fehlt mir allerdings jedes Verständnis. Junge Menschen sind schnell bereit, sich zu etwas zu verpflichten, das ihnen im Moment "cool" vorkommt, das sie aber niemals halten können. Wenn sie es dann brechen, brechen Sie ein Versprechen, das sie ihrem Gott gegeben haben. Was das heißt, kann sich nur jemand vorstellen, der seinem Gott schon einmal ein Versprechen gegeben hat.

Kein Sex vor der Ehe in meinem Umfeld

Als ich 1990 mit A. zusammenkam, stellte ich eine merkwürdige Sache fest: Ich war der erste Freund in A's Leben. Bisher war für sie das Thema kein Sex vor der Ehe nur eine Formalität gewesen, die es zu halten galt. Innerhalb von kürzester Zeit stellte sich ein Problembewusstsein ein und die äußerst entschieden fromme A. diskutierte plötzlich mit sich selbst auf der Bettkante, ob es wirklich Sinn macht, dieses Gebot so zu halten, wie sie es bisher vorhatte.

Im Verlauf meines christlichen Lebens schien sich folgendes abzuzeichnen:

Kein Sex vor der Ehe - Unterschiedliche Wahrnehmung von Frauen und Männern

Frauen, die vor ihrer Entscheidung für Jesus Sex hatten, hatten auch das Problembewusstsein und empfanden dieses Gebot als hart. Frauen, die schon immer fromm waren und nie eine Beziehung hatten, schienen keine allzugroßen Probleme mit diesem Gebot zu haben. Dies ist ein deutlicher Unterschied zu Männern. Möglicherweise ist es auch der Grund dafür, dass in christlichen Gemeinden Männermangel herrscht.

B. war eine hübsche Frau mit einer tollen Figur. Wir mussten irgendwann für einen Sketch in der Gemeinde ein Liebespaar spielen. Als wir später einmal darüber sprachen, lachte sie mit diesem Politiker-Lachen und sagte, dass sie von dem ganzen Thema keine Ahnung hat. 35 Jahre alt, hübsch, tolle Figur und nie einen Freund gehabt. Ganz ehrlich. Das ist nicht zum Lachen. Das ist supertraurig. Und das empfand sie hinter ihrer Fassade auch so.

S. war auch eine hübsche Frau ebenfalls mit Traumfigur, aber etwa 10 Jahre älter als ich. Ich hatte ihr mal beim Umzug geholfen und seitdem gab es eine gewisse Verbundenheit zwischen uns. Wären wir gleichalt gewesen, hätten wir es vielleicht miteinander versucht. Auch sie haderte immer wieder mit ihrem Leben, begann eine Affäre und beendete sie dann wieder mit schlechtem Gewissen. Sie sagte mal zu mir: Wenn du mit einem nichtchristlichen Mann zusammenbist, dann will er immer irgendwann Sex. Was tat sie dann? Sie machte mit, weil jeder Mensch Liebe braucht und weil sie nicht mehr alleinsein wollte. Und was bekam sie dann? Ein schlechtes Gewissen. Und was machte sie dann? Sie machte wieder Schluss. Und was war sie dann? Wieder allein.

S. war ein Spiegel, in dem ich mich selbst in der Zukunft sah. Wenn man nicht das Glück hatte, irgendwann seinen Partner in der Gemeinde zu finden — wer will denn bitte so ein Leben führen?

Die Beziehungsbremse - kein Sex vor der Ehe

Ich war ja nun selbst sehr fromm. Mag man heute nicht mehr denken, aber es war so. Ich wollte mich damals selbst nicht in Versuchung führen und entschied mich dazu, Frauen aus der Welt aus dem Weg zu gehen. Nach meiner heutigen Ansicht absoluter Blödsinn. Aber damals strebte ich nach höherem, nämlich nach dem Willen Gottes für mein Leben. Und darin kam keine unfromme Frau vor.

Im letzten Aufbäumen vor meinem Ausstieg fühlte ich mich allein und gab einige Kontaktanzeigen auf. Das Ergebnis möchte ich hier durchaus mal aufführen. In normalen weltlichen Zeitschriften bekam ich drei oder vier Zuschriften. In der frommen Zeitschrift dran erhielt ich 40-60 Zuschriften. Es herrscht megamäßiger Männermangel in der frommen Frauenwelt.

Wenn Sie sich allein fühlen, sollten Sie sich zumindest einmal die Frage stellen, ob es Ihnen wichtiger ist, fromme Liedchen im Gottesdienst zu singen, für einen Gott, an dessen Wiederkehr Sie – ehrlich betrachtet – eh nicht glauben (siehe ehrliche Worte). Oder ob Sie evtl. Ihr Leben wieder in die eigene Hand nehmen möchten.

Niemand zwingt Sie, aus Ihrer Gemeinde auszutreten oder übereilt Entscheidungen zu treffen. Aber wenn es Ihnen so geht, wie S. aus dem letzten Abschnitt, sollten Sie dringend über die Prioritäten Ihres Lebens nachdenken.

Kein Sex vor der Ehe - die Folgen nach dem Ausstieg

Nur eine unberührte Frau ist eine Jungfrau, während ein Mann mit Erfahrung erst ein Mann ist.

Dieser Satz stammt nicht von mir. Er stammt aus meiner Schulzeit von einer Mitschülerin, die im Unterricht einen selbstverfassten Aufsatz vorlas und viel frühreifer war, als ich. Ich kenne den Satz bis heute, einfach weil ich damals über die Thematik so überrascht war. Ich spielte noch mit Lego und sie machte sich schon über sowas Gedanken. Man kann von diesem Klischee halten was man will, man kann es unterstützen oder nicht. Einen gewissen Wahrheitsgehalt hat es. Auch ein anderes Klischee möchte ich hier gern noch aufführen:

Frauen suchen einen starken Mann zum Anlehnen

Dies mag alles nicht auf alle Frauen zutreffen (vielleicht sind Sie ja gerade die Ausnahme der Regel). Aber tendenziell sind für Frauen diejenigen Männer interessanter, die wissen was sie wollen und wo es langgeht. Damit meine ich jetzt mal nichts sexuelles. Ich meine auch kein Macho-Getue. Ich rede einfach von einem gesunden Selbstbewusstsein, Charakter und einem gewissen Durchsetzungsvermögen.

Kein Sex vor der Ehe - Männer zu Hampelmännern?

Wenn Sie einen Großteil Ihrer Aufmerksamkeit dem Unterdrücken Ihrer Grundbedürfnisse widmen, verlieren Sie dies. Zumindest war es bei mir so. Sie werden zu einer Art geschlechtslosem Teddybär. Zu einem Hampelmann.

Die Frauen werden Sie mögen und Ihnen von ihren sexuellen Verfehlungen berichten, die sie allerdings lieber mit einem anderen Typ Mann sammeln. Mit Ihnen redet man lieber, oder kuschelt ohne zu fummeln oder zieht sich einen Minirock an, weil Sie der einzige sind, bei dem ich sowas tragen kann, ohne dass er gleich mehr will. Hab ich alles erlebt, Männer. Manchmal sitze ich im Auto und fange spontan an zu lachen, wenn ich an früher denke.

Heute weiß ich: die Mädels standen genauso unter "Druck" wie ich. Sie waren halt nur in der etwas komfortableren Lage, der passivere Part zu sein. Ich bin mir sicher, viele dieser Gespräche waren eigentlich ein Hilferuf in Richtung: Komm, lass uns solange von Sex reden, bist du dich nicht mehr zurückhalten kannst... Ich war allerdings zu fromm. Ich konnte mich zurückhalten. Wieviel Selbstbewusstsein ich dabei verloren habe, ist mir erst nach meinem Ausstieg aus dem christlichen Glauben aufgegangen.

Kein Sex vor der Ehe - zwischen den Fronten…

Aber wir müssen auch nicht nur von mir sprechen. In meiner Ausstiegszeit lernte ich ein Mädchen namens K. kennen. Deren ehemaliger Freund arbeitete in der EDV-Branche, in der man damals vor dem Niedergang des Neuen Marktes noch sehr gut verdiente. Dieser Herr hatte ein Problem mit Edelprostituierten. Er war wieder "gefallen", informierte er sie von Zeit zu Zeit. Darunter litten beide. K., weil sie immer noch Gefühle hatte und ihr ehemaliger, weil er — sie wissen schon.

Ich habe den Typen nie kennengelernt. Dementsprechend kann ich hier auch keine Aussage dazu treffen wie entschieden oder nicht-entschieden sein sonstiges christliches Leben war. Allerdings habe ich die Begebenheiten damals relativ regelmäßig mitbekommen. Es war genauso, wie ich es auch beschrieben hatte. Mit K. wollte er am liebsten keusch zusammenleben. Aber weil er das nicht schaffte, holte er sich bestimmte Dinge eben woanders und kam dann reumütig zu K. zurück.

K. hat diesen Typen irgendwann in die Wüste geschickt. Das einzig richtige. Völlig klar. Ich werde sein Verhalten hier auch nicht in irgendeiner Weise gutheißen. Im Gegenteil. Aber trotz allem muss man sich eine Frage stellen: Wäre es zu den gleichen Situationen in einer normalen-weltlichen Beziehung gekommen?

Kein Sex vor der Ehe - Verlierer sind die Zurückhaltenden

Mir geht es mit diesem Beispielen weniger darum, das Verhalten derer zu rechtfertigen, die ihren Partner betrügen. Ich will vielmehr das Augenmerk auf den zurückhaltenderen Part legen. Auf denjenigen der beiden Partner, der immer brav ist und das hält, was sein Gott angeblich von ihm/ihr möchte. Diejenigen, die dieses "Gebot" gelegentlich brechen, haben sicher auch gelegentlich ein schlechtes Gewissen. Aber was viel wichtiger ist: diejenigen, die es halten, sterben langsam. Ich starb langsam, während ich diese Gebote hielt — ebenso wie K. Niemals hätte ich das zugegeben. Und Sie?

J. lernte ich auf der Sommer-Bibelschule Klostermühle 1993 kennen. Dort machte ich quasi einen dreiwöchigen Testlauf, ob ich mit dem Bibelschulleben klarkommen würde. J. wohnte auch nah an meiner späteren Bibelschule und so wurde ich zu einer Art Hauskreisleiter für einen frommen Männerkreis. Die Hälfte der Jungs stand in einer Beziehung und die Mädels trafen sich in einem getrennten Kreis. Ich habe niemals vorher oder nachher so offene Männergespräche geführt wie dort.

Auch der entschiedene J., der damals zu seinen Eltern ging, ihnen den Fernseher ausschaltete und sagte Hey, ich habe Jesus Christus kennengelernt (ein für mich sehr beeindruckendes Verhalten), erschien hier plötzlich in einem anderen Licht. J. führte regelmäßig missionarische Gespräche — mit Frauen. Geschätzte 50 % davon endeten im Bett. Wir lachten häufig darüber. Ich weiß auch nicht, ich will den Mädels doch nur von Jesus erzählen... sehe ich ihn noch sagen — mit diesem hilflosen Grinsen, dass man eigentlich nur mitlachen kann.

Zu J. habe ich schon lange keinen Kontakt mehr. Es war ein sehr angenehmer Mensch. J. hat einfach Dinge passieren lassen, wie sie kamen. Ich hätte sowas niemals gekonnt. Durch seinen locker, flockigen Umgang mit seinem Leben, waren es für ihn alles Einzelverfehlungen, die Gott auch gern vergibt (so auch meine Meinung). Im Gegensatz zu J. hatte ich die Kraft, mich aus solchen Situationen herauszuwinden. Ich war meinem Gott treu. Aber um welchen Preis?

Ich gewann den Kampf gegen Sex vor der Ehe. Ich kann mich an Situationen erinnern, in denen Frauen sich mir gegenüber so verhalten haben, wie es das Klischee eigentlich uns Männern zuschreibt. Ich habe ganz Abende durchgehalten voller zweideutiger Bemerkungen, körperlicher Annhäherungen und offener Angebote. Ich blieb meinem Gott treu — eigentlich hätte er stolz auf mich sein müssen, wenn es ihn denn gäbe. Ich habe meine eigene Seele vergewaltigt, um ein nicht haltbares, nicht klar belegtes, mittelalterliches, lächerliches Gebot eines wahrscheinlich nicht existenten Gottes zu befolgen. Ich gewann ein paar unnütze Schlachten, aber ich verlore den Krieg — nämlich mein Selbstbewusstsein.

Denn lassen Sie uns nochmal ein offenes Wort reden, Männer: Was geschieht denn nach einem solchen von mir beschriebenen Abend? Sie gehen nach Hause. Sie mögen sich Ihrem Gott gegenüber richtig verhalten haben. Und was tun Sie dann?

Wer sich so verhält, wie ich es hier beschrieben habe, fügt sich selbst große psychische Schmerzen zu. Aus diesen Schmerzen wird irgendwann ein großer psychischer Schaden. Das gemeinste an den Schmerzen wie auch an dem Schaden ist, dass man beides zu verleugnen versucht. Machen Sie nicht den gleichen Fehler!

Draußen in der Welt bekommen Sie keinen Applaus dafür, jahrelang keusch gelebt zu haben. Die Menschen schauen Sie an, als ob Sie eine Krankheit hätten und bekunden Unverständnis und Mitleid. Wer in heutiger Zeit unter den sexuellen Moralvorstellungen der Bibel lebt, lebt ein Stück am Leben vorbei. Als Mann kann ich nur davor warnen, sich Grundbedürfnisse abtrainieren zu wollen. Sie verlieren dabei jede Souveränität, die Sie als Mann auszeichnen sollte und kämpfen einen Kampf, den Sie nicht gewinnen können.

Ob es uns gefällt oder nicht: unsere Gesellschaft hat sich im Bezug auf dem Umgang mit der Sexualität gewandelt. Diese Entwicklung kann man nicht mehr rückgängig machen. Und wenn Sie sich abgewöhnt haben, ein sexuelles Wesen zu sein, werden Sie lange Zeit brauchen, um wieder zu einem gesunden Verhältnis zurückzufinden. Dieses gesunde Verhältnis ist nötig. Schon allein, damit Sie über einen zweideutigen Scherz lachen können.

Das Fazit zum Sex außerhalb der Ehe

Die Bibel hält sich erschreckend bedeckt zum Thema Sex vor der Ehe. Und die Stellen, die es zu der Thematik gibt, werden in meinen Augen dem Aufwand, den man damit hat, nicht gerecht. Sex gehört zu Ihren Grundbedürfnissen. Wenn die Bibel Ihnen dies verwehrt und Sie langsam zu ahnen beginnen, dass Sie nur ein Leben haben, dann sollten Sie dringend Ihre Lebensplanung überdenken.

  1. Ist mein Glaube an diesen Gott wirklich echt oder mag ich mehr die christliche Philosophie?
  2. Ist es der Gott, oder ist es die Gemeinde, an die ich eigentlich glaube?
  3. Ist das, was ich vom christlichen Glauben weiß, wirklich überzeugend genug, um diese weitreichenden Kompromisse in meinem Leben einzugehen?

Wenn Sie nach einer klaren Bestandsaufnahme zu dem Ergebnis kommen sollten, dass es diesen Gott gibt, bin ich der letzte, der es Ihnen ausreden wird. Wenn allerdings nicht, dann treffen Sie neue Entscheidungen und lassen Sie sich nicht von einer toten Religion mit einer unmenschlichen Lehre Ihr Leben kaputtmachen.

Kommentare zu »Sex vor der Ehe unter Christen«

Login

Registrieren!
Seite Thema Antworten Letzter Eintrag