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Als Nicht-Christ hat man wenig Einblicke in das Gemeindeleben. Also hier ein paar Worte dazu, was Ihr Freund dort findet und was ihm wichtig sein könnte.
Wenn jemand eine christliche Gemeinde besucht, hat er dort meistens Vorbilder. Das können Jugendleiter, Pastoren oder Älteste sein. Diesen Menschen vertraut er. Viele sind dieses Vertrauens auch würdig, denn sie glauben selbst das, was sie verkündigen und leben es auch. Es kann sein, dass Ihr Freund dort eine Art von Zuneigung oder ein Wertesystem vermittelt bekommt, das er von zuhause nicht kennt, das ihm aber viel bedeutet. Entschiedene Christen sind ehrliche Menschen (meistens) und dies macht Eindruck.
In unserer Bibelschule beispielsweise schrieben wir Klausuren ohne Aufsicht. Lösen Sie sich von dem Gedanken, dass man die Bibelschulzeit auf einer Arschbacke absitzt. Griechisch, Hebräisch, Englisch, Systhematische Theologie, Kirchengeschichte — ohne Ende Zeug zum Auswendiglernen. Ich hab noch nie so sehr gebüffelt, wie dort.
Ein Lehrer verlas nach jedem Test offen die richtigen Antworten, dann ermittelte jeder Schüler selbst seine Punktzahl, schrieb seine Note auf den Test und gab ihn ab. Und wenn dieser Test schlecht war, gab man sich 0 Punkte und eine sechs.
Als das erste Mal ein Lehrer die Klausuren austeilte, auf das Telefon deutete mit den Worten "Wenns Fragen gibt, erreichen Sie mich auf der 33" und den Prüfungsraum verließ, schauten wir uns alle verdutzt an. Die Botschaft war aber klar: wir glauben an einen lebendigen Gott, der alles sieht. Wer hier abschreibt, hat überhaupt nicht begriffen, worum es geht und gehört nicht hierher. Und so schrieben wir gute oder schlechte Noten, ganz ohne Aufsicht und ganz ohne abzuschreiben.
Eine Mitschülerin aus einem höheren Jahrgang sagte mir damals, dass sie mal geschummelt hat. Dann konnte sie nachts nicht schlafen und unterrichtete den entsprechenden Lehrer. Daraufhin bekam sie eine sechs und die Sache war erledigt. Keine Vorwürfe, kein späteres Misstrauen. Sechs und vergessen. So funktioniert christlicher Umgang miteinander. Sollte zumindest.
Das mag für Sie absolut schwachsinnig klingen. Aber es war genauso. Es war immer so. Und es ist bis heute das, was mich an diesem Glauben zutiefst fasziniert: die Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit. Man erlebt ein Stück heile und perfekte Welt. Darauf war ich sehr stolz und Ihr Freund wird darauf auch sehr stolz sein. Rechnen Sie damit, dass Ihr Freund in seiner Gemeinde Dinge findet, die die normale Welt nicht kennt und die auch Sie ihm nicht bieten können oder wollen.
Aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses zu seinen Vorbild-Personen, wird es ihm sehr schwerfallen, die Meinung seiner Vorbilder anzuzweifeln. Insbesondere, wenn er sich in der Bibel nicht besonders gut auskennt. Er wird dann eher die Meinung seiner Vorbilder übernehmen.
In einer Gemeinde geht man normalerweise nicht nur zum Gottesdienst. Es gibt zusätzlich noch Bibel- oder Hauskreise. Wir trafen uns früher einmal pro Woche in einer lockeren Gruppe von vielleicht 5-10 Leuten. Dort tranken wir Tee, aßen Kekse, sangen fromme Liedchen, lasen ein bißchen der Bibel (meistens hatte einer ein Thema vorbereitet) und diskutierten darüber. Außerdem erzählten wir dort, wie es uns ging, was uns wichtig ist und wir beteten zusammen dafür.
Erst nach meiner christlichen Zeit stellte ich fest, dass die meisten Selbsthilfegruppen genauso funktionieren. Man trifft sich, unterhält sich über seine Probleme, trifft vor und mit anderen Entscheidungen und hat das Gefühl, nicht alleingelassen zu sein. In einem guten Hauskreis entstehen feste Freundschaften und die Mitglieder fühlen sich sehr verbunden. Wo sonst sitzen Menschen einmal pro Woche zusammen und unterhalten sich einfach mal über Gott und sich selbst?
Christen glauben an einen ewigen Gott und an das ewige Leben. Man spricht mit seinem Gott. Dieser Gott nimmt im Lauf des Christenlebens eine immer wichtige Rolle ein. Bei mir wurde es zunächst normal, mit Gott zu sprechen. Später wurde es zur Gewohnheit, dann fast zu sowas wie einer Sucht. Ein Leben ohne Gott kam mir unendlich leer vor. Allein der Gedanke, mich von diesem Gott, der ja fast schon mein Freund war zu lösen, war für mich damals nur schwer erträglich.
Kennen Sie das Buch Herr der Ringe? Ein dickes Buch mit vielen unbekannten Völkern, Rassen, Landschaften und Gebräuchen. Ich entschuldige mich gern bei allen Christen, die sich nun auf den Fuß getreten fühlen. Aber ich persönlich entwickle beim Lesen von Herr der Ringe (oder beim Schauen der Filme) ganz ähnliche Gefühle, als damals beim Lesen der Bibel.
Die Bibel hatte eine gewisse Romantik. Ein einfaches Leben mit ein wenig Übersinnlichem. Viele Leute vergöttern Herr der Ringe. Ähnliche Gefühle habe ich (man möge mir verzeihen, wenn ich hier mal meinen Erfahrungshorizont darstelle) bei Star Trek oder Krieg der Sterne. Eine fremde Welt tut sich auf. Je mehr man in diese Filme, Bücher und Geschichten einsteigt, desto mehr Hintergrundwissen entwickelt man. Man lernt eine fremde Welt kennen mit klingenden Namen fremder Orte und menschlichen Rassen, deren Gebräuche so anders sind als unsere. Man wird quasi mit zum Spezialisten über fremde Kulturen, die es zwar nicht gibt, die einem aber sehr reell erscheinen.
Soweit es mich betrifft, konnte ich mich in Teilen der Bibel richtiggehend verlieren. Nicht alles in der Bibel liest sich gut. Es gibt einige Stellen, die wirklich eine harte Nuss sind. Andere dagegen nehmen einen hinein in eine fremde Welt voller Abenteuer. Meine Lieblingsbücher waren die den meisten Christen eher unbekannten Bücher Nehemia und Esra. Dabei kam mir natürlich zu Gute, dass ich in der Bibel viele Fakten zur Geschichte Israels und zur damaligen Umwelt kannte.
Vielleicht haben Sie Lust, diese beiden Geschichten einmal selbst zu lesen und etwas von dieser Faszination selbst zu erleben. Ich empfehle Ihnen dazu Bibeln im heutigen Deutsch, wie Die-Gute-Nachricht-Übersetzung. Um 1000 v. Chr. lebte David, danach Salomo. Dann teilte sich um 931 das Reich Israel in zwei Teile. Nun gab es ein Nordreich und ein Südreich Israel, die beide immer wieder verheißen bekamen, dass es Druck gibt, wenn sie ihrem Gott nicht treu bleiben. Sie blieben es nicht. Um 722 wurde das Nordreich durch die Assyrer erobert und nach Assyrien verschleppt. 586 kamen die Babylonier, eroberten die Assyrer & verschleppten nebenbei das Südreich gleich mit. Nochmal 50-100 Jahre später kamen die Perser und eroberten die Babylonier. Darin sahen einige Israeliten ihre Chance, wieder zurück in ihre Heimat zu dürfen. Erleben sie nun mit, wie sie anfangen, den persischen König zu belatschern.
Lesen Sie einmal diese beiden Bücher Esra und Nehemia. Lassen Sie sich faszinieren von der Hartnäckigkeit, mit der die beiden vorangehen. Nehemia will zurück nach Israel um die Stadtmauer Jerusalems – der heiligen Stadt – wiederaufbauen. Esra will innerhalb von Jerusalem den Tempel wieder aufrichten. Lassen Sie sich fesseln von den Gedanken der beiden. Tauchen Sie ein, in diese fremde Welt voller fremder und ungewöhnlicher Gebräuche. Sollten Sie zu tief eingetaucht sein, können Sie danach noch das Buch Esther lesen. Das passt auch noch in diese Zeit.
Die meisten Christen wissen viel weniger von den Hintergründen, als ich Ihnen jetzt in diesen paar Zeilen mitgegeben habe. Lesen Sie einfach mal in der Bibel und machen Sie sich ein Bild davon, welche Faszination so ein altes religiöses Buch in einem auslösen kann. Wahrscheinlich werden sie schockiert sein, wenn die plötzlich anfangen, ihre Frauen wegzuschicken. Aber auch das sind Dinge, die die Christen beim Lesen aushalten müssen: merkwürdige Gebräuche, die heute unmenschlich wirken. Für mich haben die Bibel und Herr der Ringe tatsächlich viel gemeinsam.
Wenn Sie Probleme hatten zu verstehen, was an der Bibel so toll sein soll, hoffe ich, dass Sie etwas weiter sind, wenn Sie diese Teile davon gelesen haben. Tun Sie sich aber auf keinen Fall irgendeine sakrale alte Luther oder Elberfelder an. Lange Texte liest man am besten im heutigen Deutsch. Wenn Sie zu geizig sind, lesen Sie es in einer Buchhandlung :-)
Naja. Und wenn Sie nur ein Buch lesen möchten — fangen Sie mit Nehemia an. Nehemia war damals mein Lieblingsbuch. Nicht verwechseln mit Jeremia, denn der war so ziemlich das ärmste Schwein, das man in der ganzen Bibel finden kann.
Als fromme Kultur will ich mal das Drumherum bezeichnen, das zwar eigentlich nicht so wichtig ist, einem aber sehr ans Herz wachsen kann. Dazu gehört das Singen oder Hören vοn dieser besonderen christlichen Lobpreismusik. Bitte nicht verwechseln mit dem sakralen Liedgut, das Landeskirchen ihren Gottesdienstbesuchern antun. Ich mochte diese Musik sehr. Sie strahlte eine gewisse Art von Frieden und Geborgenheit aus.
Aber auch bestimmte Angewohnheiten, wie zum Beispiel das Tischgebet, gaben mir das Gefühl, Teil einer ganz besonderen Gemeinschaft zu sein. In einem meiner Tagebücher aus der Ausstiegszeit standen ein paar traurige Zeilen darüber, dass ich jetzt wohl nicht mehr mit meiner zukündtigen Familie am Tisch beten kann. Ich schreibe das hier einfach mal, weil es für Außenstehende möglicherweise interessant ist, was einem alles in christlichen Kreisen wichtig sein kann.
In den meisten christlichen Gemeinden gibt es zahlreiche Angebote für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen. In meinen Augen sind Kinder bei christlichen Veranstaltungen sehr viel stärker integriert, als anderswo. Es gibt oft Möglichkeiten zur Kinderbetreuung und insgesamt – so erschien es zumindest mir – gehören Kinder bei christlichen Veranstaltungen sehr viel mehr zum Lebensbild, während Eltern auf anderen Veranstaltungen tendenziell eher mit der Frage nach Kinderbetreuung usw. allein gelassen werden.
Wenn ich mir heute ansehe, wie befreundete Familien ständig Babysitter bezahlen müssen, erinnere ich mich oft an früher. Ich habe das Gefühl, dass es in christlichen Gemeinden viel einfacher ist. Irgendwelche Leute machten das kostenlos. Einfach weil sie selbst keine Kinder hatten und sich darüber freuten, mal auf welche aufpassen zu können. Ich war mal in einem Hauskreis, da brauchte man nur mit den Fingern zu schnipsen und mehrere Mädels haben sich fast darum gestritten.
Als ich 1995 nach der Bibelschule nach Wiesbaden zog, boten sich sofort Leute, die mich kaum kannten an, mir beim Umzug zu helfen. Ich musste nicht mal fragen. Auch ich half später anderen Leuten, die ich kaum kannte. Vergleiche ich das mit meinem Umzug 2005 — da war außer Ausreden von meinen neuen guten Freunden nicht viel zu hören. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass sich Christen gern gegenseitig halfen.
Sicher, es gab da auch Grenzwertigkeiten. So erwarteten manche von Handwerkern generell Gefälligkeiten, was die wiederrum dazu veranlasste, darauf aufmerksam zu machen, dass sie auch von irgendwas leben müssen.
Aber im Großen und Ganzen half man sich gegenseitig aus und verschenkte auch gern mal alte Möbel oder Kleidungsstücke an diejenigen, die sie brauchen konnten. Im normalen Leben macht man dies auch. Aber in christlichen Gemeinden sind die Bedürfnisse anderer sehr viel klarer formuliert. Man kennt einfach mehr Leute, die altes Zeug brauchen können. Die sind dafür sehr dankbar und bedanken sich dann auch gern mal, indem sie beim Tapezieren oder umziehen helfen, Babysitten oder irgendwas tun, was Sie nicht können.
Ich schreibe diese Zeilen gerade im Urlaub. Habe heute Muße. Stellen Sie sich vor, Sie sind 71 Jahre alt und wohnen in einem kleinen Dorf mit 453 Einwohnern am Ende der Welt in Schweden. Einmal im Jahr wird Ihr Dorf von einem internationalen Tanzcamp heimgesucht. 500 — 1000 Menschen aus aller Welt belagern Ihr Dorf, die Schule, alle möglichen Gelände. Direkt gegenüber ihres Gartenzauns ist quasi das osteuropäische Viertel mit einer Zeltstadt von Leuten aus Russland, Litauen, Polen, Slowenien.
Diesen 71jährigen Mann gibt es wirklich. Er ist gut gelaunt, grüßt alle und wir halten regelmäßig Smalltalk. Niemand zertrampelt seinen Garten, wirft Müll hinein oder strullert gegen seinen Zaun. Ich selbst habe in früheren Jahren in Gemeinschaftsunterkünften mit über 50 Leuten in einer Turnhalle übernachtet. Überall liegen Videokameras, Handys oder Laptops herum. Niemand klaut etwas. Sie werden mir Recht geben, dass das ungewöhnlich ist. Ist es auch. Und es funktioniert glücklicherweise unter Nicht-Christen.
Während meiner christlichen Zeit hatten wir Christen die Ehrlichkeit gepachtet. Auch dort habe ich ähnliches erlebt. Ich war damals der Meinung, dies sei eine Besonderheit der Christen. Ganz offensichtl. íst es das nicht. Inzwischen habe ich auch Beziehungen zu einigen Seglern. Auch dort gibt es ähnlich ungewöhnliche Camps wenn eine Regatta stattfindet. Christen glauben, dass diese Art von Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit eine besondere Eigenart von Christen sei. Dies ist nur bedingt richtig. Aber sie glauben es und sie gefallen sich in dieser Rolle.
Dieser Punkt ist eigentlich eher etwas unchristlich. Wer längere Zeit Christ ist, hat ein gewisses Wissen und eine gewisse Erfahrung. Christen sind zwar eigentlich keine Angeber — zumindest wollen sie keine sein. Aber etwas zu wissen, das andere nicht wissen, ist immer schon cool gewesen. Und wir erinnern uns: die Bibel ist ein dickes Buch. Da kann man vieles wissen, das andere nicht wissen.
Für besonders hoch halte ich die Ausstiegshürde für Menschen, die im so genannten vollzeitlichen Dienst sind. Also quasi Profi-Christen wie Pastoren usw. Sie leben nicht nur von ihrem Glauben, sie beziehen daher auch eine Menge ihres Selbstbewusstseins. In meinem Abschnitt über Bücher und Veröffentlichungen ziehe ich ein wenig über diesen Herrn hier her, mit seinen Äußerungen zur Irrtumslosigkeit der Bibel. Von meinem Stammpunkt aus, muss ich ihn hier vorführen, weil das was er schreibt, so nicht stehengelassen werden kann. Rein menschlich habe ich ein gewisses Verstänsnis für ihn. Was soll er sonst tun? Mit seinem Doktortitel und seiner theologischen Ausbildung kann er ja jetzt schlecht hingehen und sagen: Oh, ich hab mich wohl geirrt. Die Bibel ist doch nicht irrtumslos. Damit steht und fällt nicht nur sein Glaube, sondern sein komplettes Lebenskonzept. Er könnte sich im Prinzip einen neuen Job suchen. Und was noch schlimmer wäre: alle Leute, die ihn bisher Ernst genommen hätten, würden ihn nun wahrscheinlich nicht mehr beachten.
Nun war ich ja auch mal auf dem Weg in den vollzeitlichen Dienst. Ich hatte zwar die Bibelschule nach zwei Jahren abgebrochen. Aber dafür hatte ich gute Gründe und mein Ziel war es immer, die restlichen zwei Jahre später nachzuholen. Im letzten halben Jahr vor meinem Ausstieg – so ab Mitte 1997 – häuften sich die Diskussionen in meinem Tagebuch zum Thema Ausstieg.
Ich hatte sehr große Freude an der griechischen Sprache. Mein Griechnisch hatte ich ständig trainiert und wegen den Diskussionen mit den Zeugen Jehovas ganze Kapitel übersetzt. Viele Texte konnte ich im Kopf schon fast simultan übersetzen. Hebräisch fand ich schwierig, aber ich konnte mir bei einfachen Fragen helfen. Zum Beispiel schauen, was genau Worte im Grundtext bedeuteten. Ich konnte über 250 Bibelverse auswendig, davon einige sogar in den Griechisch oder Hebräisch und ich konnte vielen Leuten Antworten auf viele gängige theologischen Fragen geben.
Kurz gesagt: ich war jemand. Leute fragten mich, wenn sie einen Text nicht verstanden. Leute diskutierten mit mir ihre theologischen Fragen. Leute bezogen mich in Lebensentscheidungen ein. Ich war kein Pastor, ich war kein Jugendleiter. Aber ich war jemand, den man sehr ernst nahm. Wenn ich etwas sagte, machte das Sinn und brachte die Gruppe weiter. Ich kannte geschichtliche Hintergründe, ich kannte sprachgeschichtliche Besonderheiten, ich kannte Nebenbedeutungen der Worte, ich wusste, in welchen Situationen bestimmte Bücher oder Briefe geschrieben wurden oder auch wie bestimmte Reisen verliefen und wie man mit dem Bibelatlas arbeitete.
Um es ganz kurz zu machen: ich war furchtbar cool. Natürlich zeigte ich das nicht. Nach außen hin versuchte ich nicht angeberisch zu sein. Wahrscheinlich war ich es auch nicht. Aber diese Anerkennung tat mir sehr gut. Als ich nun plötzlich vor der Entscheidung stand, meinen Glauben aufzugeben, ging es nicht nur um meinen Glauben. Es ging um viel mehr. Was ist mit den vielen Stunden Griechisch? Was mit Hebräisch? Was mit den 250 Bibelversen, dem ganzen theologischen Wissen? Was ist überhaupt mit der Bibel? Ich liebte die Bibel — allein schon in diesem dicken Buch zu blättern und darin irgendwie zuhause zu sein. Ich hatte viele schlaflose Nächte deswegen. Sollte ich wirklich alles hinwerfen, wofür ich die letzten Jahr gelebt hatte?
Ich weiß nicht, ob sich das irgendjemand vorstellen kann: aber das aufzugeben, was die ganzen letzten Jahre die Hauptantriebskraft im Leben war, ist eine unendlich schwere Entscheidung. Ich kam mir vor wie ein Top-Manager, der sein ganzes Geld verspielte und plötzlich als Bettler an der Straße saß. Unter Nicht-Christen galt mein ganzes Griechisch, mein Hebräisch und mein Bibelwissen nichts mehr. Keine Sau interessierte sich mehr dafür. Eigentlich wurde dieses Wissen sogar verachtet.
Ich gab das alles nach einem halbjährigen Kampf auf, weil ich in der Wahrheit leben wollte. Die meisten haben diese Kraft nicht. Je nachdem, wie tief ihr Freund in seiner Religion drinsteckt, sollten Sie von diesem Kampf wissen. Ich hoffe, dass ich ihnen dies deutlich genug ausgemalt habe.
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