Ehescheidung und Wiederheirat
Markus 10,11:
Wer sich von seiner Frau scheiden lässt und eine andere heiratet, bricht mit ihr die Ehe. Und wenn sich eine Frau scheiden lässt und erneut heiratet, bricht sie ihre Ehe.
Bevor es losgeht
Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt hier eingestiegen sein, seien Sie bitte so freundlich und lesen Sie den Abschnitt mit meinen ehrlichen Worten, bevor Sie hier weiterlesen. Mir ist es wichtig, dass ein paar Dinge geradegezogen sind, bevor wir hier über andere sprechen.
Glauben Sie, Sie sind allein?
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Sie sehen, das Thema beschäftigt auch andere. Irgendwie beruhigend, oder?
Scheidung in der Familie
Ein Onkel von mir ließ sich eines Tages scheiden und heiratete während meiner Bibelschulzeit erneut. Es war nun dummerweise ein Onkel, den ich besonders mochte und so musste ich mir überlegen, wie ich dazu nun Stellung beziehen wollte. Wollte ich das überhaupt? Wie soll ich denn einem nicht-frommen Menschen erklären, dass das was er da gerade macht, nicht in Ordnung ist? Ich tat es nicht.
Scheidung an der Bibelschule
Im zweiten Jahr kam mit den neuen Schülern eine ausgesprochen attraktive junge Frau an unsere Schule. Bei der Vorstellung sprach sie offen von einer Krise und dass sie deswegen hier sei, um sich wieder etwas zu fangen. Das war ungewöhnlich. Einige Leute waren wegen persönlicher Probleme auf die Bibelschule gegangen. Aber so deutlich zugegeben wie sie, hat es niemand.
Richtig gute Freunde wurden wir beide nie. Sie war mir immer etwas zu attraktiv. Sie schminkte sich ein wenig wie die Pornohäschen, die man heute im Internet überall findet, trug nur hautenge Jeans und kollidierte damit mit dem, was sie aus diesem ganzen Sex-Abschnitt über mich herauslesen können. Kurz: ich fühlte mich in ihrer Gegenwart nicht wohl und ging ihr ein wenig aus dem Weg. Teils aus Unsicherheit. Teils, weil ich nicht in irgendwas reinrutschen wollte, das mir letztenendes nicht guttut.
Unsere Lehrer legten besonderen Wert auf die Freiheit an unserer Schule, hatten offenbar relativ schlechte Erfahrungen aus ihrer eigenen Bibelschulzeit mitgebracht und wollten uns das Lernen mit der Taschenlampe unter der Bettdecke ersparen. Bei uns gab es keine Bettruhe, keine festen Schlafens- oder Aufstehenszeiten. Wer wollte, durfte die ganze Nacht nach Herzenslust durchlernen :-) Manche taten das auch.
Das negative an dieser Sache war, dass trotzdem Seelsorgebedarf bestand, für den aber nur ein einziger externer Lehrer wirklich eine Vision hatte. Er blieb jeden Mittwoch und unterhielt sich bis tief in die Nacht mit Schülern über alles, was sie auf dem Herzen hatten. Meistens in der Kantine. Dem Ort, an dem man sich einen Tee holte, wenn man Abends mal ne Pause einlegte.
Dieses attraktive Mädchen, die ich mal S. nennen möchte, saß dann also an einem Mittwoch mit unserem Lehrer C. zusammen. Wie auch immer. Beim Tee holen oder sonstwie - keine Ahnung mehr - ich hörte ein paar Worte mit. S. hatte Probleme mit diesem Wiederheiratsverbot. Klar hatte sie die. Sie war irgendwo zwischen 25 und 30. Da plant man ja jetzt nicht, den Rest des Lebens allein zu verbringen. Was rät man jemandem mit einem solchen Problem?
C. empfahl ihr zu warten, bis ihr Ex-Mann wieder eine neue hat. Sobald ihr Ex-Mann wieder geheiratet hat, hat ER die Ehe gebrochen. Sie wäre dann frei.
Jetzt mal ganz im Ernst
In welchem Zeitalter leben wir eigentlich? Ich bin kein Freund von Oberflächlichkeit und auch nicht von Scheidung. Aber wieviel Leid wird durch diesen psdeudomoralischen Unsinn eigentlich verursacht?
Ich kenne mehrere bibeltreue Christen, die wieder geheiratet haben. Wie sie das mit der Theologie hinbekommen haben, weiß ich nicht. Ich weiß aber: ich hätte es nicht gekonnt. Mir erschließen sich diese theologischen Auslegungssprünge nämlich nicht. Ich zweifle auch daran, dass es eine einigermaßen sinnmachende Auslegung gibt, die über eine Hintertür die Wiederheirat dann doch gestatten soll, ohne den Ex-Partner ins Jenseits zu befördern :-)
Was ich hier so scherzhaft schreibe, ist aber eigentlich kein Scherz. Es handelt sich um ein sehr ernstes Thema. Ein Thema, das ein Leben zerstören kann. Auch hier möchte ich mir den Hinweis erlauben, dass ich sehr froh darüber bin, dass ich einen Glauben nicht mehr vertreten muss, der ein solch absolut weltfremdes unhaltbares Gebot aufstellt. Vor allem unverständlich ist dies, wenn man sich ansieht, was die Juden dazu noch geglaubt hatten. Denn bei denen war die Scheidung ja noch erlaubt.
Bei diesem Thema halte ich mich mit weiteren theologischen Betrachtungen zurück. Ich kann Ihnen nur raten: wenn Sie hier ein Problem haben - wachen Sie auf!
