Wer meine Texte aufmerksam liest, stellt fest, dass mich mit "meinen" Zeugen Jehovas durchaus sowas wie eine Freundschaft verbunden hat. Wir haben uns gegenseitig respektiert - durchaus auch mal am Limit diskutiert - aber wir haben uns gegenseitig in unserer Unterschiedlichkeit stehen lassen. Ja, man kann als bibeltreuer Christ mit Zeugen Jehovas befreundet sein, ohne sich gegenseitig zu zerfleischen. Zumindest empfand ich das damals so. Doch es gibt einen Punkt, bei dem die Ansichten sehr auseinandergehen: die Bluttransfusion.
Alle theologischen Differenzen - so skuril die unterschiedlichen Auslegungen auch sein mögen - sind doch nichts anderes als Theologie und Theorie. Das Verbot der Bluttransfusion ist jedoch erschreckend praktisch. Und plötzlich stellt man fest, dass man soviel, wie man dachte, doch nicht gemeinsam hat.
Ich habe relativ viele Besucher auf meiner Seite über die Zeugen-Jehovas-Bibel. Keine Ahnung, ob das Zeugen Jehovas oder anderweitig interessierte Leute sind.
Ich habe noch einen Ordner im Schrank stehen, in dem ich meine persönliche Apologetik gegen die Wachtturm-Lehren zusammengeschrieben habe. Vieles davon ist nicht mehr verwendbar oder für mich heute auch uninteressant, weil ich selbst nicht mehr gläubig bin. So etwas wie die Dreieinigkeitslehre muss ich heute nicht mehr verteidigen. Und mir war es auch schon immer egal, ob Jesus an einem Kreuz oder einem Pfahl gestorben ist.
Bei der Durchsicht meines Ordners fand ich einen unvollständigen Abschnitt zum Thema Bluttransfusion. Dieser Abschnitt hat auch heute noch für mich eine Bedeutung, denn man hat nur ein Leben. Wenn ich diese alten Texte von mir heute online stelle, verbinde ich damit weniger die Hoffnung, dass irgendein Christ sie zur Argumentation gegen Zeugen Jehovas einsetzt. Ich wünsche mir mehr, dass sich mal ein fragender Zeuge hierher verirrt und mein Text vielleicht mal ein Leben retten kann.
Essen Sie Fleisch?
Wissen Sie, dass man Tiere damals schächtete. Das bedeutet man schnitt Tieren lebendig die Halsschlagader auf und ließ sie ausbluten um sicherzustellen, dass man kein Blut aß.
Essen Sie ausschließlich Fleisch von geschächteten Tieren oder gehen Sie Kompromisse ein. Wenn ja, warum?
Wenn im Blut das Leben ist, darf ich - der Autor dieser Webseite - dann nicht freiwillig bestimmen, ob ich jemandem von meinem Blut abgeben möchte, um sein Leben zu retten?
Ist es nicht etwas unterschiedliches, wenn man ein Tier tötet, um sein Blut zu essen - von mir aus als Blutwurst. Oder ob ich als lebendiger Mensch die Entscheidung treffe, einen nicht lebensbedrohlichen Teil meines Blutes zu spenden, damit jemand anderes durch mein Blut am Leben bleibt?
Zur Zeit als ich Christ war, hätte die Blutspende für mich zum Gebot der Nächstenliebe gehört. Heute - als NichtMehrChrist - empfinde ich es als menschlich.
Ein Argument der Wachtturm-Theologie besagt, dass Genesis 9, 4-6 nicht Gesetz Moses gehört (das in Jesus erfüllt wurde), sondern einen ewig-gültigen Bund darstellt, an den sich die Menschen zu allen Zeiten zu halten haben.
Dazu ist zu sagen, dass der komplette Pentateuch (fünf Bücher Mose) als Gesetz bezeichnet wird (Matthäus 22,40 und Lukas 24,44).
Auch die heutige Einteilung des jüdischen Alten Testaments lautet:
Außerdem wird in Genesis 9, 4-6 in Vers 6 zum letzten Mal von Blut geredet. Von einem Bund spricht erst Vers 8.
Das Wort עולם (Olam = ewig) bedeutet nicht wie in unserer Sprache nur "ewig". Es wird auch verwendet in Levitikus 24,8 und Exodus 31,16 und bezeichnet dort nur einen sehr langen Zeitraum.
In Exodus 31,16, wo das Wort עולם (Olam = ewig) ebenfalls vorkommt, geht es interessanterweise um den Sabbat. Halten die Zeugen Jehovas den Sabbat auch so peinlich genau ein, wie es diese Bibelstelle erfordert? Ist das Sabbat-Gebot nicht viel älter als das angebliche Bluttransfusions-Verbot?
Wenn Sie Zeuge Jehovas sind und dies hier lesen, sei Ihnen gesagt, dass es ganz allein Ihre Entscheidung ist, wie Sie mit Ihrem Leben umgehen. Ich empfehle Ihnen allerdings dringend nachzudenken. Sie dürfen die Bibel so auslegen, wie Sie möchten. Aber Ihr Bluttransfusions-Verbot ist eine sehr umstrittene Sache. Viel zu umstritten, als sein Leben in Gefahr zu bringen.
Ich würde mein Leben nicht wegen einem solchen Unsinn in Gefahr bringen. Sie haben wahrscheinlich sogar eine dieser Karten in der Geldbörse - Sie wissen, welche ich meine. Merken Sie nicht, dass Sie völlig übertriebene Vorkehrungen getroffen haben? Für mich sind Sie ein armes fehlgeleitetes Schäfchen. Oder soll ich sagen, ein armes Schwein?
Benutzen Sie Ihr Gehirn und informieren Sie sich darüber, wieviele Irrtümer die Wachtturm-Gesellschaft schon korrigieren musste, seit sie diese Lehre 1944 "eingeführt" hat. Warum ist vorher niemand auf diese abwegige Lehre gekommen? Vergessen Sie nicht, sich ausgiebig mit den Wachtturm-Berechnungen zur Wiederkehr Jesu zu beschäftigen.
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