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Zeugen Jehovas

Wie man auf dieser Webseite mehrfach lesen kann, hatte ich 1995/96 sehr viele Gespräche mit Jehovas Zeugen. Für mich war es eine "blöde" Zeit. Ich hatte irgendwie noch nicht richtig Fuß gefasst in Wiesbaden, musste mich mit theologischen Unterschieden beschäftigen, die die Konfessionen trennten. In der Bibelschule war alles so "einfach" gewesen. Alle waren verrückt nach der Bibel und wir waren ausgesprochen fair mit unterschiedlichen Auslegungen und Ansichten umgegangen.

Nun trat die Ernüchterung ein, dass sich zurück in der Welt nur wenige so wirklich für die Bibel begeistern konnten. In der Bibelschule verband uns die Liebe zu Bibel. In Wiesbaden hatte ich manchmal das Gefühl, dass die Bibel eher zur Abgrenzung zu anderen herhalten musste.

Jehovas Zeugen als willkommene Abwechslung

Dann klingelten die Zeugen Jehovas bei mir an der Tür. Nach kurzem Zögern ließ ich sie rein. In Bingen - wo ich vor meiner Bibelschulzeit wohnte - hatte mir ab und zu mal eine Zeugin Schriften eingeworfen. Ich hatte nie Zeit für sie und musste sie immer an der Sprechanlage abwimmeln. Sie kam von diesem Moment an immer wieder im falschen Zeitpunkt.

Zeugen Jehovas sind Menschen

"Habt sie lieb. Sie sind ganz arme Schweine" hatte mal jemand bei einer Predigt an meiner Bibelschule gesagt. Sie würden ständig kontrolliert werden, müssten über jeden Besuch Buch führen und ihn nach Brooklin melden - der Zentrale der Wachtturm-Gesellschaft.

Ich war sehr überrascht, als plötzlich selbstbewusste Menschen vor mir saßen, die die Bibel genauso ernstnahmen wie ich selbst. Klar, hatten wir unsere Differenzen. Aber auch klar, waren die viel kleiner, als ich das vermutet hatte. Und viele Vorurteile und vieles Teilwissen konnte ich direkt beerdigen. Das fing schon damit an, dass meine Zeugen mehrere Bibelausgaben verwendeten.

Die Neue-Welt-Übersetzung war ihr Favorit. Aber alles andere stand zuhause im Schrank und wurde genauso konsultiert. Wir führten viele ernsthafte Gespräche und spätestens beim Thema Bluttransfusion hörte bei mir der Spaß auf. Es dauerte aber nicht lange, bis ich in meinem Tagebuch darüber zu diskutieren begann, dass mich mit diesen Zeugen sehr viel mehr verbindet, als mit vielen "Christen" meiner Konfession.

Zeugen Jehovas und die Bibel

Glauben Sie es oder nicht. Meine Zeugen - und es kamen ständig andere mit - waren so sehr auf die Bibel "fixiert", dass sie sich alles anhörten, was ich zu sagen hatte. Und ich hatte viel zu sagen. Meine damaligen Probleme - diese wirklich nicht schönen Gemeindesuche - versuchte ich nämlich durch verstärktes Bibelstudium zu lösen. Ich verbrachte ganze Nächte damit griechische Texte zu übersetzen, die mir etwas bedeuteten und bestimmte theologische Fragen zu klären. Darunter beispielsweise die Tauffrage (muss sich jemand, der als Kind getauft wurde, nochmal taufen lassen) oder die Frage nach der Rolle der Frau in der Gemeinde.

Nun saßen sie vor mir. Und ich stellte fest, dass es keineswegs verborte Leute waren, die blind irgendwelchen Wachtturm-Lehren folgten. Ich hatte den Eindruck, sie begegneten zum ersten Mal jemandem, der ihnen wirklich Contra bieten konnte. Der Wachtturm oder eine ihrer Schriften sagte irgendwas komisches und ich gab ihnen plötzlich Bibelstellen, geschichtliche Hintergründe oder las Stellen mit ihnen im Zusammenhang, die sie so niemals wirklich als zusammenhängenden Text gelesen hatten.

Aber auch die Zeugen haben Lehren, die für mich als bibeltreuer Christ keineswegs so abwegig waren, wie wir das immer gelernt hatten. Es ist ja so einfach, etwas über die andere Meinung zu lernen, wenn sich diese Meinung nicht dagegen wehren kann.

So verbrachte ich also noch mehr Nächte mit Chips und Cola und übersetzte Teile der Neuen-Welt-Übersetzung neu. Leider. Leider. Leider habe ich diese Neue-Welt-Übersetzung damals 1998 - in meinem allgemeinen Ärger und dem Wunsch, ein neues, unbelastetes Leben zu beginnen - ins Altpapier geworfen.

Meine Zeugen Jehovas waren offen

Glauben Sie es oder nicht. Meine Zeugen Jehovas hörten sich alles an. Wenn eine ihrer Lehren "komisch" war bestanden sie keineswegs auf ihrer Auslegung. Sie waren mitunter richtig überrascht, wie man bestimmte Lehren auch betrachten konnte. Wenn ich der Ansicht war, ihre NW-Übersetzung übersetzte einen Text absichtlich falsch, schauten wir zusammen in meinen griechischen Grundtext blätterten in Wörterbüchern oder sogar im Kittel.

Naja. Trotz allem trennte uns ein Graben. Für meine Zeugen war es ebenso unmöglich, Christ in meinem Sinn zu werden, wie es für mich möglich gewesen wäre, wirklich zum Glauben der Zeugen Jehovas überzutreten. Aber die Gespräche verliefen sehr angenehm und offen und ich denke, wir wurden auch ein wenig Freunde. Ausgesprochen überrascht war ich - wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe - dass meine Zeugen mir bestätigen, Christ zu sein. Nach meinem Wissen, ist für einen Zeugen Jehova nur ein anderer Zeuge Jehova ein Christ. Nein. Ich sei ganz klar Christ. Das bestätigten mir meine Zeugen mehrfach.

Das Bibelverständnis der Zeugen Jehovas

Nun kommen wir an einen Punkt, an dem sich möglicherweise dem einen oder anderen die Haare sträuben werden. Die Zeugen hängen sehr stark an ihren Schriften, die die Wachtturm-Gesellschaft ihnen zur Verfügung stellt. Wer die Dinger liest - damals gab es Neuauflagen ihrer kleinen Büchlein - wird feststellen, dass deren Inhalte gar nicht so furchtbar abwegig und konfrontativ sind. Es gab Bücher, die hätte ich relativ bedenkenlos in christilichen Gemeinden einsetzen können.

Was mir damals etwas Angst machte war die Tatsache, dass ich zum damaligen Zeitpunkt mit niemandem so gute Gespräche über die Bibel führen konnte, wie mit meinen Zeugen Jehovas. Ich hielt Bibelabende im CVJM, in der Stadtmission, besuche die Philadelphia-Jugend (Pfingstler), Freie-Evangelische Jugend und deren Bibelabend, den Farbklecks in Biebrich und brachte mich überall ein, so gut ich konnte. Aber wirklich richtig gute Diskussionen und Gespräche über die Bibel auf einem Niveau, das mir etwas gab, hatte ich fast nur mit meinen Zeugen Jehovas.

Mir wurde irgendwann klar, dass mir diese Zeugen Jehovas mit ihren Lehren zwar etwas suspekt waren. Aber dass sie mir in der Art ihres Bibelverständnisses, ihrer Entschiedenheit, ihrer Neugier auf Dinge aus der Bibel und auch ihrem Umgang damit sehr viel näher standen, als die meisten meiner "Christen", die ich in Wiesbaden kennengelernt hatte.

Nun gut. Ich kam von der Bibelschule und suchte "Halt". Etwas, wo ich dieses umfangreiche Wissen, dass ich nun hatte, auch anwenden konnte. Ja, das klingt selbstsüchtig. War es aber nicht. Im Prinzip war ich ein armes, etwas fehlgeleitetes Schäfchen, das sich einfach noch nicht wieder richtig ins normale Leben eingelebt hatte, vielleicht auch etwas einsam war und nun nach seinem Platz im Leben suchte.

Ziel dieses Abschnitts über die Zeugen Jehovas

Eigentlich dreht sich diese Webseite ja um "meinen" Glauben. Und bei aller Faszination für die Zeugen stand ich doch niemals wirklich in der Gefahr, mich ihnen anschließen zu wollen. Als ich damals alles wegwarf, darunter auch einige Wachttürme, die NW-Überstzung und einige ihrer Büchlein, gab es doch etwas, das ich bis heute nicht wegwerfen wollte: meine Notizen, die ich in vielen Nächten zusammengestellt hatte.

Ich habe keine Ahnung, ob dieser Abschnitt zweifelnden Zeugen Jehovas eine Hilfe sein kann oder wird. Ich weiß heute, während ich diesen Abschnitt beginne, nicht mal, ob es sich wirklich realisieren lässt, hier meine Notizen zu veröffentlichen. Denn wie schon gesagt - die Lehre der Zeugen Jehovas wird zum Teil eben auch vom Wachtturm und ihren Schriften bestimmt. Außerdem habe ich viele Dinge aus gelesenen Büchern in meinem Notizen-Ordner zusammenkopiert, auf die ja ein Copyright besteht und die ich darum nicht einfach veröffentlichen darf.

Also schauen wir mal zusammen, was ich Ihnen in diesem Abschnitt anbieten kann.

DIESER ABSCHNITT IST NOCH IN ARBEIT - SEIEN SIE GESPANNT